Trägt der Westen die Schuld am Terrorismus?

Posted on 16. November 2015

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Jürgen Todenhöfer hat wie immer schnell reagiert. Auf seiner Facebook Seite ließ er verlautbaren, dass „unsere Kriege“ schuld am Terror seien und nicht der Islam.

Wer die Fakten betrachtet, wird tatsächlich feststellen, dass die Zahl der Terrorattacken in den zehn auf den Irakkrieg folgenden Jahren deutlich höher war als in den Jahren zuvor. Insofern ist Todenhöfers Aussage zumindest nicht an den Haaren herbeigezogen.

Bei genauerer Betrachtung sollte man allerdings erkennen, dass der Terror eben nicht westlichen Zielen gilt und auch die Lage nicht im Sinne des Westens beeinflusst. Es herrscht ein Zustand der Anarchie, der ganze Länder destabilisiert und die Welt vor unvorhersehbaren Aufgaben stellt. Wieso war dies vor dem Einmarsch des Westens, vornehmlich natürlich der USA und Großbritannien, nicht so?

Vom Westen, aus falschen oder richtigen Gründen sei dahingestellt, unterstützte Autokraten wie Hussein, Gaddafi etc. bewahrten relative Ruhe. Mit eiserner Hand. Sie hielten das Gewaltmonopol inne. Organisationen wie ISIS oder al Kaida konnten sich in ihrem Machtbereich gar nicht ausbreiten. Durch den aktiv betriebenen Umsturz (Hussein) oder das Fallenlassen (Gaddafi, Mubarak…), wurde der Deckel von diesen Gesellschaften genommen. Die unterdrückten Kräfte wurden von ihren Fesseln befreit.

Hierfür trägt der Westen natürlich eine Mitschuld. Es war vorhersehbar, dass die Kontrolle in der post autokratischen Phase nur schwer aufrechtzuerhalten wäre und man bot keine attraktive Zukunftsperspektive. In Ägypten konnte die öffentliche Ordnung nur durch einen Militärputsch aufrechterhalten werden. In vielen anderen Ländern konnte der halbherzige Einsatz westlicher Mächte nicht für eine Beruhigung sorgen, wie im Irak, Afghanistan oder Libyen.

Der Westen trägt allerdings keine Schuld an den dann entstandenen oder aufkommenden Gruppierungen, welche ihren ideologischen Überbau alle aus Zeiten nehmen, in denen der Westen keinen entscheidenden Einfluss in der Region hatte. ISIS sieht sich klar in einer historischen Linie mit islamischen Kalifaten aus dem 8. und 9. Jahrhundert. Die Religionskonflikte in der Region sind nicht durch den Westen angefacht, sie wurden nur über Jahrzehnte durch Autokraten unterbunden und brechen sich jetzt Bahn. Machen wir uns auch nichts vor, diese Gesellschaften waren auch vor den westlichen Interventionen nicht fortschrittlich, wohlhabend oder friedlich.

Die Unterdrückung der Schiiten, Jesiden, Christen, Atheisten, Frauen und Homosexuellen lassen sich nicht mit dem Hass auf den Westen oder dessen Einmischung erklären, sondern nur mit religiöser Motivation. Ebenso die gegen Unschuldige gerichteten Attentate im Westen. Wer gegen die Okkupation oder Ausbeutung seines Landes vorgehen möchte, tut dies in der Regel nicht, indem er Dutzende Zivilisten in einer Konzerthalle hinrichtet und dabei Allahu Akbar ruft. Er würde gegen offizielle Einrichtungen vorgehen und irgendwelche umsetzbaren Ziele verfolgen.

Der Westen ist daher am ehesten mit einem Wärter zu vergleichen, der seinen Posten pflichtwidrig verlassen hat (oder ihn dazu anhielt). Ausbrechen und weitere Straftaten begehen musste der Inhaftierte aber selbst.

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