Pegida – Wie die Medien ihre eigenen Maßstäbe missachten

Posted on 17. Dezember 2014

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Die Zeit ist bekannt dafür, Situationen immer dann durch ihre Berichterstattung kritisch zu beleuchten, wenn Fremdenfeindlichkeit vermutet wird. Genau wie der Spiegel und weitere Mediengrößen, wird derzeit alles daran gesetzt, die sich von Dresden aus verbreitende Pegida-Bewegung mit Argumenten in die Schranken zu weisen und ihr jede Legitimität abzusprechen.

Einer der beeindruckendsten Artikel der letzten Tage wurde gestern als Gastbeitrag auf Zeit.de veröffentlicht. Michael Lühmann, seines Zeichens in Leipzig geborener Politikwissenschaftler und Historiker, titelt „Pegida passt nach Sachsen“. Kernaussage des Artikels ist es, dass Sachsen seit jeher Angst vor Neuem und Fremdem hat und Extremismus sowie rechtes und nationales Gedankengut dort längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen sind. Der Sachse, und im weiten Sinne der Ostdeutsche an sich, sind folglich kleinbürgerliche Xenophoben. Muss man diesen Artikel überhaupt noch analysieren?

Egal wie hoch der Wahrheitsgehalt, wie aufschlussreich die Fakten, seit wann lässt es eine der führenden linksliberalen Zeitungen des Landes zu, dass Menschen aufgrund ihrer Herkunft negative Attribute beigemessen werden? Wie wahrscheinlich ist es, dass ein Artikel der Bild, der mit dem Titel „Kindermorde und Frauenverstümmelung passen zum Islam“ veröffentlich würde, nicht gleich zu nationalen Protestaufrufen führen würde?

Die Medien bestätigen derzeit alle Vorbehalte, die ihnen seitens der Pegida-Bewegung entgegengebracht werden. Während man im Sommer bei Demonstrationen mit antiisraelischen Ausbrüchen der übelsten Art noch versuchte, zwischen dem berechtigten Ansinnen einiger und den verachtenswerten Äußerungen der anderen zu unterscheiden, ist man sich bei Pegida sicher, dass es sich um Nazis oder zumindest um Sympathisanten handelt. Obwohl etwaige Sprechchöre oder Transparente bisher in keinem Bericht erwähnt bzw. gezeigt wurden.

Am liebsten gefällt mir das Argument, dass das Anliegen der Dresdener besonders albern sei, da dort nur wenige Tausend Muslime leben. Wenn es danach ginge, dann dürften wir auch nicht gegen Nazis demonstrieren, denn laut Bundesverfassungsschutz gibt es in ganz Deutschland „lediglich“ ein Rechtsextremismuspotential von 25.000 Personen. Auf 82 Millionen Bundesbürger vernachlässigbar, oder? Ähnlich sieht es mit den Gefahren des Fracking oder der Atomenergie aus. In Deutschland gab es noch nie einen Super GAU. Weshalb also demonstrieren? Warum sollten Palästinenser in Deutschland demonstrieren, wenn doch noch nie ein israelischer Militärschlag auf deutschem Boden ausgeführt wurde? Wieso demonstrieren Iraner für Dissidenten, die nicht in Deutschland, sondern im Iran inhaftiert sind? Wieso demonstriert Greenpeace vor der russischen Botschaft gegen Umweltvergehen, die am anderen Ende der Welt verübt wurden?

Einige Journalisten sollten sich und ihre Methodik kritisch hinterfragen. Der Anspruch, sauber zu argumentieren, sollte nicht von der eigenen politischen Einstellung begrenzt werden. Wer sich als vierte Gewalt des Staates sieht, der die öffentliche Meinung mitgestalten will, der sollte nicht mit zweierlei Maß messen. Es mag sein, dass ein Teil von Pegida fernab des demokratischen Diskurses steht. Dann sollte man die entsprechenden Beweise allerdings denklogisch nachvollziehbar erbringen und im gleichen Atemzug die antidemokratischen, antiamerikanischen und antisemitischen Elemente großer „linker“ Demonstrationen (Friedensdemos etc.) beleuchten.

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