Israelkritik ist oft Antisemitismus

Posted on 22. Juli 2014

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Der Kampf in Gaza wird auf Facebook und Co. zur Zeit in aller Schärfe fortgeführt. Nicht nur Hamas und die israelische Armee (IDF) fahren ihre Offensiven mittlerweile auch digital fort, besonders aktiv sind auch die jeweiligen Anhänger.

Zur Zeit erfährt mein Facebook Newsfeed einen regelrechten Boom an politischen Einträgen. Von israelischer Seite ist dies verständlich, denn sie sind direkt betroffen. Von deutscher Seite ist es allerdings verwunderlich.

Denn schauen wir uns die Nachrichten der letzten Monate an, so gibt es durchaus gewichtigere Themen, die meist keinen oder nur einen kleinen Einschlaf auf Facebook fanden:

Im syrischen Bürgerkrieg sind bisher mindestens 160.000 Menschen gestorben und 2.6 Millionen wurden zur Flucht aus Syrien und 9 Millionen zur Flucht in Syrien gezwungen. Es ist die schlimmste Flüchtlingskrise seit 20 Jahren.

Die Gruppierung Islamischer Staat hat mittlerweile einen Großteil des Irak unter seine Kontrolle gebracht, ungefähr 6000 Menschen getötet, viele weitere gefoltert und gesteinigt und zehntausende Christen, unter Androhung von Tod oder Zwangsbekehrung, zur Flucht gezwungen. Beobachter sprechen davon, dass die IS in ihrem Einflussbereich ethnische Säuberungen durchführt.

Boko Haram beherrscht den Norden Nigerias und verübt im Wochentakt weitere Angriffe auf Kirchen, Christen und weitere Andersdenkende. Dabei kamen alleine in den letzten Wochen mehrere hundert Menschen ums Leben. Hierbei schreckt sie auch nicht davor zurück, hunderte Mädchen aus Schulen zu entführen, diese durch Zwang zu bekehren oder sie als Sexsklavinnen zu halten.

Während letzteres, die Entführung der 200 Mädchen durch Boko Haram, einen kurzen Aufschrei auf Facebook generierte, ebbte die Aufregung aber schnell ab. Vor allem kam das Engagement eher von Stars, die ihre Bekanntheit unter dem Hashtag #bringbackourgirls einsetzten.

Die meisten Privatpersonen blieben unbeeindruckt. Auch die deutschen Straßen waren ruhig. Keine Demonstrationen, Solidaritätsbekundungen oder öffentliche Verurteilungen durch Islamverbände. Zur Syrienkrise fanden sich einige Gruppen die für Frieden auf die Straße gingen, aber alles in eher kleinem Rahmen.

Die Gazaoffensive Israels löst aber plötzlich die stärksten Gefühle aus und führt zu groß angelegten und oft gewalttätigen Demonstrationen in vielen deutschen Städten. Tausende Menschen gehen auf die Straße und solidarisieren sich mit den Palästinensern. Vor allem junge Muslime. Türken und Araber finden den Schulterschluss und skandieren offen rassistische Parolen. Aber auch die Linkspartei schaltet sich ein und organisiert viele dieser Demos.

Der Protest auf der Straße findet seinen Nachhall auch in den sozialen Netzwerken. Wieder sind es vor allem Muslime die aufgebracht sind, aber auch viele andere. Plötzlich ist selbst der Tod von vier Kindern ein Ereignis, bei dem man nicht wegschauen kann. Es zeigt die unbarmherzige Härte eines Regimes, dass nur auf die Unterdrückung der armen Palästinenser aus ist. Dass in der gleichen Zeit dutzende muslimische Jungen von Muslimen im Irak, Afghanistan, Syrien und andernorts umgebracht werden, erwähnt niemand. Noch weniger interessiert die Allgemeinheit die Christenverfolgung in Afrika oder dem Nahen Osten.

Das ZDF Morgenmagazin hat den Frust der Bevölkerung heute aufgegriffen und Dunja Hayali weiss, Gaza ist „fast wie ein Ghetto“. Würde sie auch nur eine kurze Zeit offen als Lesbe in Gaza wohnen, dann wüsste sie, weshalb die Grenzen geschlossen bleiben.

Gerade diese heftige und einseitige Reaktion zeigt, dass Israelkritik oft tatsächlich Antisemitismus ist. Anders lässt sich es nicht erklären. Die israelische Offensive ist der willkommene Anlass, im Deckmantel der „berechtigten Kritik an befreundeten Staaten“ seinen Hass auszulassen.

Ein plastisches Beispiel:

Man stelle sich einen Staatsanwalt in einer grenznahen Stadt vor, in der es viele kleinere Drogendelikte gibt. Dieser Staatsanwalt ist für seine lockere Einstellung in Bezug auf kleinere Mengen für den Eigenbedarf bekannt. Grundsätzlich stellt er alle Verfahren wegen Einfuhr und Besitz von Marihuana unter 10g ohne Auflagen wegen Geringfügikeit ein.

Von dieser weichen Linie weicht er jedoch immer dann ab, wenn ein Schwarzer der Täter ist. Hier greift unser fiktiver Staatsanwalt gnadenlos durch und bringt alles zur Anklage, wo er eine Geldstrafe im oberen Rahmen beantragt.

Handelt er hier völlig legitim, da tatsächlich eine Straftat vorliegt und das Gesetz die von ihm beantragte Strafe vorsieht? Die Antwort dürfte klar sein und jedem einleuchten. Wer von seiner allgemeinen Haltung bei speziellen Volksgruppen ohne außerordentlich Gründe abweicht, der handelt rassistisch!

P.S.: Auf die semantische Spitzfindigkeit, ob denn nicht auch Palästinenser Semiten seien, womit der Begriff ins Leere liefe, lasse ich mich nicht ein. Der Begriff steht fest und wird seit Jahrzehnten als Judenfeindlichkeit definiert.

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Posted in: Ausland, Medien