Klimawandel – Wissenschaft im Konjunktiv

Posted on 27. September 2013

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Nun ist der 5. Klimareport der UNO erschienen und die Medien überschlagen sich wieder mit Hiobsbotschaften. „Sehr schneller Anstieg des Meeresspiegels“, „Hitzewellen“, „Hauptursache Mensch“, „Die Begrenzung der Erderwärmung auf zwei Grad droht zu scheitern“. Ja, wie eh und je droht uns der Untergang.

Die Artikel dazu sprühen nur so vor Begriffen der Vagheit. Es droht, man warnt, es könnte, es würde, möglicherweise, vermutlich, man prognostiziert, man ist sich zu 95% sicher (nach Abstimmung unter Kollegen). Die Bandbreite der Klimasensitivität beziffert der Klimareport auf 1,5 bis 4,5 Grad.

Der Spiegel hat es für uns in einer absurden Aufzählung zusammengefasst:

Die größten Risiken sind dem Klimarat zufolge:

  • Ein ungebremster Ausstoß von Treibhausgasen würde das Klima bis Ende des Jahrhunderts vermutlich um rund 3,7 Grad erwärmen. (Hat man dazu nun eine Konsenszahl der Werte zwischen 1,5 und 4,5 Grad Klimasensitivität gebildet?)
  • Es drohen mehr Hitzewellen.
  • Der Anstieg der Meere könnte Jahrhunderte weitergehen. Bis zum Ende dieses Jahrhunderts drohe ein Schwellen um 26 bis 81 Zentimeter, je nachdem, wie viel Treibhausgase die Welt wärmen, warnt der IPCC. Damit erhöht der Klimarat seine Prognose aus dem letzten Report, als er den Beitrag des Schmelzwassers der großen Eisschilde aufgrund unsicherer Daten klein ansetzte. Auch diesmal verbannt der IPCC Extremszenarien aus seiner Zusammenfassung. Manche Forscher glauben, dass der Rat zu vorsichtig urteile.
  • Viele Gletscher, die auch als Trinkwasserressourcen dienen, könnten komplett verschwinden.
  • Die Ozeane drohen saurer zu werden, Organismen würde es schwerer fallen, ihre Schalen zu bilden.
  • Klimazonen könnten sich verschieben. In den Subtropen und angrenzenden Regionen wie am Mittelmeer dürfte es deshalb häufiger Dürren geben.
  • In den Tropen und in mittleren Breiten wie Deutschland würde es mehr Starkregen geben.

In der Taz: „Die Durchschnittstemperaturen würden je nach Szenario bis zum Jahr 2100 um 0,3 bis 4,8 Grad steigen.“

Die Zukunft könnte sich also vermutlich zwischen so gut wie keiner Veränderung und einem Hitzeinferno abspielen. So kann man für die Zukunft vorsorgen, sollte man mal wieder völlig daneben liegen. Keine andere Wissenschaft würde mit einer solchen Arbeitsweise davon kommen. Geschweige denn bei wiederholtem „Vergehen“ noch als solche bezeichnet werden. Wenn ein Wissenschaftler sich seiner Forschungsergebnisse nicht sicher ist, dann hat er diese Arbeit eindeutig als „nicht ausreichend wissenschaftlich fundiert“ zu kennzeichnen oder sich gar nicht zur Sache zu äußern. Eine Veröffentlichung im Konjunktiv, wodurch die Allgemeinheit schockiert werden soll, ist unlauter. Hier wird auf zwei Ebenen im Konjunktiv gearbeitet. Möglicherweise A, dann könnte B.

Ich unterstelle keinem Klimaforscher die bewusste Lüge, allerdings zeigen mir die Prognosen der Vergangenheit, dass selbst die Wissenschaft einfach noch kein ausreichendes Verständnis der Zusammenhänge hat. So kann das Ergebnis eines jeden noch so komplexen Computermodells durch leicht veränderte Annahmen zur Sonnenaktivität, der Klimasensitivität oder des erwarteten CO2-Ausstosses erheblich verändert werden. Die stagnierende Erwärmung der letzten 15 Jahre hat niemand vorhergesehen. Erklärungen dafür gibt es erst im Nachgang. Das schafft kein Vertrauen. Die aktuelle Temperatur liegt dadurch selbst unter den niedrigen Szenarien, die ein Ausbleiben weiterer CO2-Emissionen zur Grundlage hatten, obwohl diese weiter ungehindert steigen.

Wäre die Klimaforschung, die wie keine andere die Öffentlichkeit sucht, in dieser Hinsicht ehrlicher, würde es ihr langfristig nutzen. So macht sie sich ein ums andere Mal lächerlich. Denn trotz aller Variablen, wird immer wieder mit konkreten Zahlen um sich geworfen. „Die Erde verträgt noch CO2-Menge X, bevor es zu spät ist. Wir können die Erwärmung bei + 2 Grad stoppen. Im Jahr 2020 wird Temperatur X erreicht. Der Meeresspiegel steigt um X. In Zukunft gibt es keine kalten Winter mehr.“ etc. Bisher hat noch keine dieser Prognosen den Test der Zeit bestanden und langsam setzt sich in der Öffentlichkeit der Eindruck durch, dass alle Prognosen Humbug sind. Hinzu kommen Hinweise, dass große Teile der Berichte des Klimarats von Greenpeace oder WWF geschrieben wurden und offensichtliche Fehldarstellungen, wie die Hockey-Stick-Grafik.

Wer kann es ihr verübeln? Die meisten Ökowellen haben sich als, zurückhaltend formuliert, aufgeblasen erwiesen. Angefangen mit den Klimaforschern die noch 1974, basierend auf der Entwicklung der Temperatur zu Beginn des 20. Jahrhunderts, vor einer neuen Eiszeit warnten. Dem viel beachteten Bericht des Club of Rome „Die Grenzen des Wachstums“ aus dem Jahr 1972, wonach es heute kein Aluminium, Kupfer, Gold, Blei, Quecksilber, Naturgas, Petroleum, Silber, Zinn, Wolfram oder Zink mehr geben dürfte. Oder dem Waldsterben, welches die Menschen Anfang der 80er bewegte, das allerdings ausblieb, obwohl kein Tempolimit eingeführt wurde und das Verkehrsaufkommen enorm gestiegen ist. Hinzu kommen weitere Hysterien der 90er, die sich im Nachhinein als übertrieben herausstellten. Zum Beispiel die Sorge um den Regenwald oder das Ozonloch. Alle diese Wellen basierten auf einem wahren Kern, allerdings wurden die Gefahren deutlich überschätzt.

Das scheint in der Forschercommunity angekommen. Führt allerdings nicht zu Zurückhaltung, sondern der Verlagerung der Prognosen in eine Zeit, in der man bereits längst Tod oder in Rente ist. 2100 ist das neue 2020. Hinzu kommt ein immer breiter werdender Zielkorridor, der außer einer deutlichen Abkühlung mittlerweile fast alles erfasst (s.o.).

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