Gedanken und Zahlen zum NSA-Skandal

Posted on 1. Juli 2013

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Da bisher der schlimmste anzunehmende Überwachungsstaat der aus Orwells Vision in 1984 ist, wurde sein Name zum Adjektiv. Surveillance of orwellian proportions. Nun, 64 Jahre nach seinem weltberühmten Roman, wurde dieses Adjektiv abgelöst. Von nun an muss man nur noch auf den aktuellen Stand der Dinge in den USA oder Großbritannien verweisen und wir sprechen von einem wesentlich eingriffsintensiveren Staat. Surveillance of current US proportions.

Nie zuvor wurde so viel, so verdachtsunabhängig, so allumfassend und weltweit überwacht. Der Begriff Yottabyte (1 Billion Terrabyte; 1000 Billionen Gigabyte) wurde nicht bekannt, weil Apple sein neues Datencenter mit Fabelbegriffen aufhübschen wollte, um zu zeigen wie viele Videos und Musik sie speichern können, sondern weil die NSA ein Fabeldatencenter errichtet.

Nun klingt das Wort Yottabyte und die dahinter stehende Zahl sehr abstrakt. Aber da es sich um 1 Billion Terrabyte handelt, können wir leicht ausrechnen, was diese Zahlen bedeuten. Somit kommen auf 7 Mrd. Erdenbürger min. 1 Billion Terrabyte Speicherkapazität im NSA Datencenter. Schnell in den Google Taschenrechner getippt: das macht pro Kopf rund 143 Terrabyte an Speicherkapazität!!! Die meisten Menschen werden im normalen Hausgebrauch wohl weniger als 1 TB zur Verfügung haben.

Da nicht jeder von gleich hohem Interesse ist (offiziell fallen US-Bürger und Bürger „befreundeter“ Staaten, also GB, Kanada, NZ, Australien raus) und Kinder bis ca. 10 und Menschen ab 65-70 wohl auch aus dem Raster fallen, ist die eigentliche Speicherkapazität pro erwachsenem Bürger in Feindstaaten (zu denen auch wir gehören, wie wir jetzt erfahren durften), noch wesentlich höher. Gehen wir also von 250 TB aus. Zumal die Gerüchte bezüglich der tatsächlichen Größe des Datencenters zwischen 1 und 8 Yottabyte schwankt. Obige Zahlen beruhen aber nur auf 1 Yottabyte.

Wenn diese Zahl noch nicht schockierend genug war, dann kommen die neuesten Enthüllungen des Spiegel ins Spiel. Demnach greifen die US-Geheimdienste monatlich ca. 500 Millionen Daten hierzulande ab. Das wären bei 80 Millionen Einwohnern pro Bürger rund 7 Datensätze im Monat! Da wieder nur ein gewisser Teil der Bevölkerung überhaupt diese Kommunikationswege nutzt, ist die Zahl pro Nutzer deutlich höher. Wer glaubt denn noch, dass es sich dabei nur um gezielte Überprüfungen handelt? Würde man hochgreifen und die Zahl der potentiell gefährlichen Personen in Deutschland auf 50.000 schätzen, dann wären dies gigantische 10.000 Datensätze pro Kopf. Bei 500.000 immerhin 1.000 und bei 5 Millionen 100. Der Grad der Überwachung hierzulande ist enorm hoch. Machen wir uns nichts vor, es betrifft nicht nur eine Hand voll Krimineller oder potentieller Terroristen, es betrifft jeden, der per SMS oder eMail mal einen schlechten Scherz über Terroristen, Obama oder Bush verbreitet hat, oder ein Geheimnis von Wert (i.e. Industriespionage) besitzt. Sonst käme man nie auf so enorm hohe Zahlen.

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Posted in: Pressespiegel, Staat