Der Unterschied zwischen Katholizismus und Islam laut taz

Posted on 11. April 2013

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In der taz tritt das am deutlichsten zu Tage, was viele deutsche Medien eint. Kritik am Christentum, besonders dem Katholizismus, ist dort äußerst willkommen. Wenn Femen sich vor dem Petersdom entblößt wird dies wohlwollend aufgenommen. Wenn Pussy Riot einen Gottesdienst stört und einen Altar entehrt, wird dies als „Punkgebet“ geadelt und die Gruppe kann sich der Unterstützung durch hiesige, vor allem linke, Medien sicher sein. Die verkrusteten Strukturen müssen endlich aufgebrochen werden, Freiheit für die Menschen, besonders Frauen und Homosexuelle. Was genau gesagt wird und wer exakt der Adressat sein soll, ist nicht so wichtig. Die Geste zählt.

Trifft es allerdings nicht mehr die verhassten Christen, sondern den Islam, wie vorige Woche durch Femen, dann sind die Grenzen offenbar schnell überschritten. Keine wohlwollenden Kommentare mehr. Plötzlich wird die Inhaltsleere des Protests bemängelt, Unkenntnis und Ignoranz gegenüber der Glaubensgemeinschaft und überhaupt, die Betroffenen können sich schon selber helfen. Plötzlich wird der Ort des Protests genauer unter die Lupe genommen und alles in seine kleinsten Bestandteile zerlegt und auf Korrektheit abgeklopft. War die ausgewählte Moschee wirklich die richtige, da dort doch eher moderate Muslime beten? Sind Femens Ziele wirklich ehrbar? Haben die Damen überhaupt verstanden, was das Kopftuch bedeutet? Das wird schon Glaubensintern geregelt. Femen stört nur die Arbeit der muslimischen Feministinnen, die an der Basis arbeiten!

Ähnliches spielt sich fast wöchentlich in den öffentlich-rechtlichen Talkrunden ab. Wenn sich ein Katholik zu seinen erzkonservativen Überzeugungen bekennt, wird er medial an den Pranger gestellt und von allen Seiten prasselt Kritik auf ihn ein. Auf dem nächsten Sender wird ein Imam schon hofiert und gefeiert, wenn er die Hand einer Frau schüttelt und Frauen und Männer in seiner Moschee an gewissen Tagen gemeinsam beten dürfen. Dabei ist klar, dass er Martin Lohmann zu seiner Haltung zu Homosexuellen nur all zu gerne beipflichten würde. Mit seinen Überzeugungen würde Martin Lohmann unter den meisten Muslimen zu den Progressiven zählen, aber der Gedanke ist „nicht hilfreich“.

Fassen wir zusammen:

Protest gegen Menschen, die in der Ehe einen Bund zwischen Mann und Frau sehen – geradezu geboten!

Protest gegen ein System, in dem nur Männer Pfarrer werden können – muss sein, keine Handbreit der Frauenunterdrückung!

Protest gegen das Zölibat – sofort!

Protest gegen eine Religion, die als Rückständig wahrgenommen wird – wenn es das Christentum ist, dann immer und überall!

Protest gegen islamische Frauenunterdrückung – zweifelhaft und nur in Absprache mit den Glaubensschwestern und vorherigem Studium der Islamwissenschaften

Protest gegen Imame, die gegen anders denkende Frauen hetzen – siehe oben

Protest gegen eine Religion, die in vielen Teilen der Erde zu einer Schlechterstellung der Frauen führt – nie, das ist rassistisch; die wahren Gründe dafür liegen woanders! Fasst euch lieber selbst an die Nase, ihr Kolonialherren!

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