Der neue Sündenfall – Wachstumskritik und Klimawandel

Posted on 1. April 2013

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Auf Zeit.de erscheinen fast im Wochentakt Artikel (wie dieser) die das Ende des Wachstums thematisieren. Immer wird die selbe Liste mantraartig heruntergebetet:

  1. Unsere Ressourcen sind endlich und wir werden das Ende noch erleben
  2. Wenn wir so weiter machen, rennen wir ins Verderben
  3. Wachstum kann nicht ewig so weitergehen
  4. Wir müssen uns ändern
  5. KLIMAWANDEL!
  6. Kapitalismus ist schuld

Das alles wird mit einer Gewissheit präsentiert, die jede abweichende Meinung zur Ketzerei degradiert. Jeder Hinweis wird als Anzeichen eines allumfassenden Realitätsverlusts gedeutet. Wachstumsgläubige Klimaskeptiker sind die neuen Holocaustleugner. Mit ihnen braucht man nicht zu diskutieren, deswegen dreht sich der illustre Kreis der Wachstumskritiker im selbigen.

Aber was ist dran an der Wachstumskritik? Denn unsere Ressourcen sind tatsächlich endlich, müssen wir unser Verhalten daher nicht ändern? Natürlich sind die Ressourcen endlich, aber wann das Ende naht, darüber wird leidenschaftlich gestritten. Lediglich eines ist klar, das Ende kommt wohl nicht in nächster Zeit. Bereits vor 50 Jahren hat sich der Club of Rome dem Ende des Wachstums gewidmet und keine seiner Prognosen zum Ressourcenverbrauch ist auch nur ansatzweise eingetreten. Nach ihm gäbe es heute kein Erdöl, Gas, Gold, Kupfer, Aluminium etc. mehr. Doch davon sind wir noch einige Jahrzehnte entfernt. Bis heute werden jedes Jahr neue Gas- und Erdölvorkommen gefunden. Gerade erst hat Israel damit begonnen eine neue Gasquelle im Mittelmeer anzuzapfen und Fracking versetzt die halbe Welt in einen neuen Ressourcenrausch, der große Teile der Erde für Jahrzehnte weiter mit Gas versorgen könnte. Neue Verfahren der Erdölgewinnung, wie sie in Kanada oder Venezuela beim Ölsand angewandt werden, werden die Welt auch noch einige Jahre mit weiterem Öl versorgen können. Wie lange es genau reichen wird, ist heute wohl noch nicht abzusehen. Wahrscheinlich ist allerdings, dass ein erhöhter Ölpreis und der technische Fortschritt dafür sorgen wird, dass neue Ölquellen aufgetan werden. Niemand hat etwas gegen verantwortungsvollen und effizienten Gebrauch von Ressourcen, aber wieso sollte man sich heute schon krampfhaft einschränken? Vielleicht haben wir in 50 Jahren bereits einen Ersatzstoff für Öl und Gas gefunden. Da wir uns in einigen Bereichen schon heute auf dem Weg zur Unabhängigkeit von Öl und Gas bewegen, sollte uns das also weniger Sorgen bereiten. Sich gegen Wachstum auszusprechen ist daher keine Notwendigkeit der tatsächlichen Gegebenheiten, sondern eine ideologische Entscheidung.

Ein weiterer, unverständlicherweise selten beachteter Aspekt der Wachstumskritiker ist der des qualitativen Wachstums. In den Artikeln wird meist davon gesprochen, dass doch kein Mensch ein drittes Auto, einen weiteren MP3-Player oder alle nur erdenklichen Gadgets braucht. Dann wird ein hipper Großstädter präsentiert, der sich in seiner spärlich eingerichteten Wohnung ablichten lässt und die Segnungen des „Simplify-Your-Life“ propagiert. Aber Wachstum entsteht nicht nur durch die Masse der Güter die wir produzieren, sondern vor allem auch durch deren Qualität. Wenn heute der durchschnittliche Laptop 500€ kostet, dann würden wir ein deutliches Wachstum verzeichnen, wenn dieser Wert auf 700€ steigt. Wobei beide Geräte in der Herstellung ähnlich viele Ressourcen verbrauchen. Auch Dienstleistungen verbrauchen in der Regel wenig Ressourcen, sorgen aber für Wirtschaftswachstum. Wachstum ist selbst bei geringerem Ressourcenverbrauch denkbar. Bambusfahrräder zum Beispiel. Sie sind der letzte Schrei und unheimlich teuer, bestehen aber im Gegensatz zu anderen Fahrrädern überwiegend aus schnell nachwachsenden Materialien.

Darüber hinaus meint man bei Wachstumskritikern die Überzeugung herauszuhören, dass eine Gesellschaft ohne Wachstum gleichbedeutend mit einer nachhaltigen Gesellschaft wäre. Nehmen wir eine Stagnation oder eine leicht rückläufige Wirtschaftsleistung an, dann wäre der Ressourcenverbrauch weiterhin enorm. Japan ist ein gutes Beispiel. Auch ohne Wachstum werden die Menschen nicht auf Strom und Wasser verzichten. Alte und nicht mehr funktionsfähige Produkte müssen ersetzt werden. Kleidung, Möbel, Nahrung, Lernen, Infrastruktur, Mobilität, Arbeiten, Reisen, neue Unternehmungen… das Leben ist Ressourcenverbrauch, auch ohne Wachstum. Hier darf man anmerken, dass dies im real existierenden Sozialismus ebenso der Fall ist, wie im Kapitalismus. Es wäre daher sinnvoller nicht Verzicht zu predigen, der schlicht unmöglich ist, sondern an Lösungen zu arbeiten, wie Konsum nachhaltig gestaltet werden kann. Bambusfahrräder weisen den Weg. Konsum ohne Reue (also ohne negative Auswirkungen auf die Umwelt) ist doch wesentlich erstrebenswerter als ein asketischer Lebensstil, der vielen Menschen nicht genügt.

Zu allem Unglück wird auch immer wieder der Klimawandel angeführt, wenn auf die Dringlichkeit des Problems aufmerksam gemacht werden möchte. Umweltschutz ist die eine Sache, denn vielfach sorgt unsere Lebensweise direkt für schädliche Umwelteinwirkungen. Aber der Klimawandel ist eine andere Sache. Ja, ohne Verzicht und Selbstgeißelung werden wir auf Erden verbrennen, schreit es uns aus jeder Zeile entgegen. Die vielfach beschriebene Pseudoreligiösität der Klimawandelgläubigen scheint sich zu bestätigen. Der neue Sündenfall ist nicht die verbotene Frucht sondern der Zweitwagen. Wenn es stichhaltige Beweise dafür gibt, dass die Temperaturen auf Erden durch mein Verhalten in gefährliche Sphären emporschnellen, werde ich darüber nachdenken. Bis dahin will ich aber in Ruhe mein Leben leben, so wie ich es für richtig halte und mir nicht einen Lebensstil aufzwingen lassen, der sich an spekulativen Klimamodellen, welche bisher alle weit von der realen Entwicklung entfernt waren und romantisierenden Nachhaltigkeitsbildern orientiert. Demokratie bedeutet eben nicht nur seinen eigenen Glauben ausleben zu dürfen und alle 4 Jahre ins Wahllokal zu gehen sondern auch so viele Produkte zu kaufen, Steaks zu essen, Reisen anzutreten und Zimmer zu heizen wie ich will.

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