Tipps und Fragen zum Berliner Protest gegen Bauvorhaben

Posted on 21. März 2013

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Wenn man sich den aktuellen Protest gegen Bauvorhaben an verschiedenen Fronten anschaut, dann fragt man sich schon, weshalb die meisten Aktionen immer erst stattfinden, wenn die Bagger bereits rollen. Dann stellt sich der Kopf der Protestbewegung hin und zeigt sich bestürzt über die geplanten Vorhaben. Kultur, Geschichte und „Kiezleben“ müssen dem Kapital weichen. Wie konnte es nur soweit kommen? Und das auch noch so plötzlich?

Wieso protestieren diese besorgten Bürger nicht bereits zu einem Zeitpunkt, zu dem sich noch verhältnismäßig einfach etwas ändern lässt. Wie hier nachzulesen, wird die Öffentlichkeit in Deutschland, auch in Friedrichshain-Kreuzberg, recht ausführlich und frühzeitig über Planungsabsichten informiert. Wenn man die Behörden also frühzeitig darüber informiert, dass die Masse mit ihren Planungen nicht einverstanden sein wird, dann hat man reelle Chancen, dass sie zuhört und entsprechend handelt. Dann muss es gar nicht erst zum Teilabriss einer Mauer kommen und die Bagger können auf dem Bauhof bleiben. Das schont nicht nur die Nerven, sondern auch die Umwelt.

Man könnte vermuten, weil es A) recht aufwendig ist ständig und Monate bis Jahre auf dem Laufenden zu bleiben und B) der Protest vor einer grauen Behörde weniger hermacht als eine bunte Gruppe vor einer noch bunteren Mauer, die jeder Berlin Tourist kennt und C) die Medien und Bürger kaum Interesse an einem in 1-20 Jahre entfernten Bauvorhaben zeigen würden.

Auch interessant ist die Frage, weshalb Club- und Kulturstättenbetreiber sich immer wieder überrascht zeigen, dass sie „plötzlich“ von einem Gelände oder aus einem Gebäude geworfen werden, dass ihnen nicht gehört. Schuld ist dann immer der geldgeile Investor, der Kultur- und Kiezleben zerstört und seelenlose Glasmonster erschafft, die nicht dem Menschen, sondern nur der Rendite dienen. Ja, es ist tatsächlich schade, wenn Institutionen wie die Bar 25 oder das Tacheles verschwinden. Aber seien wir ehrlich: Beide waren keine gemeinnützigen Einrichtungen und einige haben sich zeitweise daran eine goldenen Nase verdient. Die Hälfte der Kunstwerke im Tacheles könnte sich nicht einmal der verhasste „Schwabe“ leisten und die Bar 25 war sicherlich auch kein Ort für jedermann.

Das Beispiel Bar 25 zeigt aber auch, wie es laufen sollte. Denn an diesen Orten wird oft gutes Geld verdient, weshalb es den Betreibern möglich war im Bieterverfahren den Zuschlag zu erhalten. Nun gehört es ihnen und kein Investor wird mit Rausschmiss drohen können. Jetzt drohen nur noch bürokratische Hürden.

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Posted in: Zeitgeschehen