Hasselhoof, Yuppies, das Spreeufer und die Mauer

Posted on 21. März 2013

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Am Sonntag ereignete sich für alle Menschen zwischen 25 und 50 ein nahezu historisches Ereignis. Für all jene unter 25 trat nur der Kerl auf, der im Internet besoffen versucht im Liegen einen Burger zu essen und dabei von seiner Tochter gefilmt wird. David Hasselhoff kam den weiten Weg aus Kalifornien, um die Friedrichshainer bei ihrem Protest gegen den Mauerabriss, oder ist es nur ein Aufriss, zu unterstützen. Michael Knight persönlich stand vor der ekstatischen Masse und stimmte seine kultigsten Hits an. Von den Veranstaltern wurde endlich auch ein böses Gerücht aus der Welt geräumt, wonach David glauben würde, selbst für den Fall der Mauer verantwortlich zu sein. Nein, so anmaßend ist er nicht.

Aber kommen wir zum eigentlich kuriosen Teil des Protests. Unter die Demonstranten mischten sich auffallend viele junge Mütter und Väter, die den Kinderwagen im Protestzug mitschoben. Dazu kamen etliche Touristen. Darunter viele Amerikaner, die wohl kaum aktiv an der Diskussion um die Mauer mitwirken. So weit, so gut. Das hätte man sich bei der Ankündigung denken können, dass The Hoff erscheint. Dazu bezogen sich gefühlt 3/4 der Transparente auf Hasselhoff und nicht auf den Protest. Ohne ihn wären wohl nur wenige dem Protestaufruf gefolgt. Spätestens dann hätte die Frage aufkommen müssen, ob die Demonstranten wirklich für den Willen der Friedrichshainer stehen, oder nur eine kleine Interessengruppe sind.

Noch interessanter ist aber, dass sich die Veranstalter, die sich eindeutig gegen Luxuswohnungen und „Investoren“ stellen, mit einem Mann einlassen, der nun alles andere als im Verdacht steht, ein Kapitalismusgegner zu sein. Mit geschätzten 110 Millionen Dollar auf seinem Konto könnte er einen Großteil des Projekts Media Spree wohl aus eigener Tasche finanzieren. Während man sich mit dem Protest eindeutig gegen „Schwaben“ stellt, die sich mit etwas mehr als dem Durchschnittslohn ein kleines Stück „Luxus“ in Berlin gönnen, denn diese „brauchen wir nicht“, spannt man einen Multimillionär ein, der den ganzen Protest zu einem von Ironie durchzogenen Karneval der Albernheiten verkommen lässt. Nicht „Was kostet Geschichte?“ ist die entscheidende Frage, sondern „Was kostet Glaubwürdigkeit?“… Unbezahlbar.

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