Warum nur immer wieder die USA? Der Grund für Amokläufe ist gefunden

Posted on 17. Dezember 2012

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Auf Welt Online ist gerade ein Artikel erschienen, in dem Hannes Stein sich auf die Suche nach den Gründen für Amokläufe wie den in Newton begibt, in denen er ein besonders amerikanisches Phänomen sieht. Er kommt zu dem Schluss, dass der entscheidende Unterschied zu anderen „bis unter die Zähne“ bewaffneten Ländern darin liegt, dass es in den USA keine allgemeine Krankenversicherung gibt, wodurch den Betroffenen die nötige psychologische Betreuung fehlt. Er verweist auf Tschechien, die skandinavischen Länder, Kanada und vor allem die Schweiz und Israel. In allen Ländern seien die Waffengesetze eher lax und Waffenbesitz weit verbreitet, in letzteren durch eine allgemeine Wehrpflicht für viele sogar verpflichtend. Dennoch passiere selten etwas, dank guter psychologischer Betreuung.

Ungeachtet der Tatsache, dass Adam Lanza in einem wohlhabenden Haushalt aufwuchs und die Segnungen modernster psychiatrischer Betreuung hätte geniessen können, so er sie denn gesucht hätte, vergisst der Autor scheinbar sämtliche Größenverhältnisse und Vorfälle der Vergangenheit. Die USA, mit ihren 320 Millionen Einwohnern, sind 40 bzw. 45 Mal so bevölkerungsreich wie die Schweiz und Israel. Wer bei Wikipedia die „List of rampage killers“ aufsucht, findet dort für die Schweiz 4 und für Israel 10 Vorfälle solcher „rampage killings“. Hochgerechnet auf die Bevölkerungszahl der USA hätten dort also weit mehr als 610 Vorfälle stattfinden müssen, um von einem speziell amerikanischen Phänomen sprechen zu können. Für den ganzen Kontinent Amerika sind aber „nur“ 117 Vorfälle (für Europa übrigens 99) gelistet.

Wie kommt Hannes Stein also zu dem Schluss, dass es sich bei solchen Massakern um ein amerikanisches Phänomen handelt? Selbst wenn man nur Schulmassaker betrachtet, von denen tatsächlich die meisten in den USA stattfanden,finden sich in den 15 schlimmsten Vorfällen 3 in Deutschland und 2 weitere in Europa und 5 aus allen anderen Erdteilen. Generell liest sich die Liste eher wie eine willkürliche Aufzählung von Ländernamen. Ob Australien, Asien, Afrika, Südamerika oder Europa. Auf jedem Kontinent gibt es eine Vielzahl von „rampage killings“ aller Art. Darunter sind Länder mit und ohne allgemeiner Krankenversicherung, Länder mit strikten und solche mit laxen Waffengesetzen. Länder mit offenen und freiheitlichen Gesellschaften und solche mit stark reglementierten. Ebenso sehr reiche, wie sehr arme Länder. Demokratien, Diktaturen, Monarchien und sozialistische Staaten. Auch zeitlich ist kein Trend erkennbar. Es gab solche Taten schon vor hundert Jahren, also weit vor Gangster Rap, Killerspielen und dem „Ende der traditionellen Familie“. Ein klares Muster für solche Taten lässt sich daraus wohl kaum ableiten.

Aus Hannes Stein spricht daher eher der Wunsch sich selbst (also Europa) auf die Schulter zu klopfen und den Schwarzen Peter an die USA weiterzuschieben. Auch bei Autoren der Achse des Guten ist US-Bashing ab und zu angesagt. Kaum ist Anders Breivik weggesperrt und die Zeitung mit dem letzten Familiendrama in Deutschland im Papierkorb verschwunden, hat man schon vergessen, dass es auch hier Gewalt, Tod und Massaker gibt. Das Böse hinter dem Atlantik zu verorten beruhigt ungemein. Hier ist die Welt noch in Ordnung, nur ja keine amerikanischen Verhältnisse. Weshalb man Journalisten für solche Ergüsse aber bezahlt, erschliesst sich mir nicht. Soll wirklich die allgemeine Krankenversicherung der Grund sein? Ernsthaft?

Vielleicht sollten wir Europäer uns der Realität stellen und erkennen, dass solche Taten nicht verhindert werden können und auch nicht vor unseren ruhigen Verhältnissen halt machen. Egal ob wir privaten Waffenbesitz und Killerspiele verbieten oder Kuschelpädagokik flächendeckend einführen. Wo tausende Menschen auf engstem Raum zusammen leben, kommt es zu Massakern. So sicher, wie das nächste Familiendrama kommen wird, wird auch das nächste Schulmassaker stattfinden. Im Straßenverkehr haben wir uns damit abgefunden, dass ein Restrisiko bleibt, egal wie weit die Sicherheitstechnik voranschreitet. Der Rest des Alltags bleibt auch nicht ohne Risiko. Solche Taten sind grausam, unbeschreiblich schrecklich und ich kann mir nicht ausmalen was Eltern durchmachen, die ihre Kinder so verlieren, aber es ist kein Grund die gesamte Gesellschaftsordnung zu hinterfragen.

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Posted in: Pressespiegel