Die „De facto Zweiteilung des Westjordanlands“

Posted on 12. Dezember 2012

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Die Zeit berichtet mal wieder über die von den Israelis geplanten neuen Wohnungen im E1 Entwicklungsgebiet. Wie immer in diesem Zusammenhang, hält sich eine falsche Behauptung hartnäckig. Der Autor erkennt richtig, dass dadurch zwei Siedlungsgebiete verbunden werden, in Ost-Jerusalem und die östlich davon im Westjordanland liegende Siedlung Ma’ale Adumim. Geographisch soweit alles richtig eingeordnet. Interessanterweise kommt er aber zu dem Schluss, dass das Westjordanland dadurch „de facto in einen Nord- und einen Südteil“ gespalten wird.

Wer sich die Karte anschaut, wird schnell erkennen, dass weder Jerusalem, noch Ma’ale Adumim an der jordanischen Grenze liegt. Eine Verbindung der beiden Gebiete kann das Westjordanland somit nicht teilen. Es verbleiben östlich von Ma’ale Adumim 15km bis zur Grenze Jordaniens ohne jüdische Siedlungen, die den „Nord- und Südteil“ des Westjordanlands weiter verbinden. 15km hören sich für die meisten Europäer nach wenig an, das Kerngebiet Israels selbst ist an einigen Stellen aber ebenfalls nicht breiter.

Wer sich die Bilder des E1 Gebiets in seinem jetzigen Zustand anschauen möchte, wird weiter feststellen, dass dort zur Zeit keine Autobahnen und Bahntrassen verlaufen, die Norden und Süden verbinden. Die Israelis unterbrechen durch den Siedlungsbau also keine lebenswichtigen Verkehrsadern des Westjordanlands. Einzig Beduinen, die dort zur Zeit mit ihren Schafen durchkreuzen, werden empfindlich gestört.

Wie auch immer man den Siedlungsbau der Israelis betrachtet und bewertet, durch solche falschen Behauptungen wird man der Sache nicht gerecht. Die Fakten sind in Windeseile recherchiert, es gibt also keinen Grund, blind von anderen Fehlinformationen zu übernehmen. Vielleicht würden wieder mehr Menschen Zeitungen kaufen, wenn Journalisten ihre Aufgabe ernst nehmen und wieder Qualitätsjournalismus produzieren.

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