Das Problem der Integrationspolitik – Man muss es nur benennen

Posted on 17. September 2012

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Immer wieder wird über sie geredet: Integration. Jeder hat eine Meinung, wie sie gehandhabt werden sollte und mittlerweile gibt es unzählige Minister, Verbände und Organisationen, die sich um sie kümmern. Aber wann und wieso ist überhaupt die Notwendigkeit hierfür entstanden?

Die klassischen Einwanderungsländer kennen davon bis heute nichts. Es gibt keinen Integrationsminister oder Konferenzen mit Vertretern der verschiedenen Einwanderergruppen, die ausgeklügelte Pläne entwerfen, wie man ihre Leute vor einem Randgruppedasein bewahren könnte. Seit hunderten von Jahren funktioniert Integration, nicht immer problemlos aber dennoch völlig automatisch. Menschen wandern aus, lassen ihre Probleme zurück und beginnen ein neues Leben in der Ferne. Dort arbeiten sie sich hoch, spätestens ihre Kinder werden es besser haben. Ein Bedürfnis, diesen Prozess auf politischer Ebene zu steuern bestand und besteht meist nicht.

Auch in Deutschland hat dies meist funktioniert. Bei den Hugenotten, den Ruhrpolen, den Vertriebenen und Aussiedlern verlief Integration teilweise langwierig und problematisch, aber doch immer automatisch. Die Gesellschaft absorbiert die Neuankömmlinge und sie wurden zu einem natürlichen Teil des Ganzen. Neuerdings scheint dies anders zu sein. Seit einigen Jahren wird Integrationspolitik selbst von höchster politischer Stelle als unerlässlich angesehen. Ohne diese scheinen Migranten keine Chance mehr in unserer Gesellschaft zu haben. Kommt es zu Problemen bei Migranten, wird zuerst gefragt, ob denn ordentliche Integrationspolitik betrieben wurde.

Die Frage ist nur, wer mit Migranten gemeint ist. Polen und Aussiedler sind weitestgehend integriert. Holländer, Italiener oder Griechen? Auch nicht, aber das sind ja auch Europäer. Südostasiaten vielleicht, wegen ihres exotischen Äußeren und der anderen Religion? Vietnamesen, Koreaner, Japaner, Thailänder und Chinesen sind doch eher unauffällig und gelten als sehr angenehme Zuwanderer. Aber mit geschätzt einer halben Million in Deutschland auch keine so große Gruppe. Nein, im Zusammenhang mit dem Begriff „Integrationspolitik“ sind mit Migranten meist moslemische, vor allem türkische und arabische Zuwanderer gemeint.

Das „Integrationsproblem“ wird dabei meist national betrachtet. Hatten die Türken in den 60ern und 70ern unter Diskriminierungen zu leiden? Sind unsere Grundschullehrer bei ihren Empfehlungen ihnen gegenüber gerecht? Werden Moslems allgemein wegen ihrer Religion diskriminiert? Gab es genug Bestrebungen, Moslems in unsere Mitte zu holen? Herrscht die richtige Willkommenskultur?

Hier sind wir an einem weiteren wichtigen Punkt. Integration setzt eine gewisse Willkommenskultur voraus. Kritik an der deutschen Gesellschaft ist hier gerechtfertigt. Andere Länder sind wesentlich offener und heissen ihre Zuwanderer schneller willkommen, als es hierzulande der Fall ist. Immerhin hat sich in dieser Hinsicht in den letzten Jahrzehnten viel zum positiven entwickelt. Man muss aber auch sehen, dass es den meisten Zuwanderern trotz der „kühlen“ deutschen Art gelungen ist sich zu integrieren und ihren Platz in unserer Gesellschaft einzunehmen.

Und hier wird deutlich, dass man das Problem nicht national, sondern global betrachten sollte. Denn auch in den klassischen Einwanderungsländern oder allgemein als positive Beispiele in Sachen Integrationspolitik wahrgenommenen Ländern (Schweden, Niederlande…) mit herausragender Willkommenskultur sind es ähnliche Probleme. Trotz anderer Voraussetzungen.

In den USA, Australien, Frankreich, Schweden, Holland, England, der Schweiz und Österreich gibt es mehr oder weniger gravierende Integrationsdefizite bei Moslems. Wer dies mit den vor Ort gegebenen Rahmenbedingungen erklären will, muss ausblenden, dass es anderen Zuwanderergruppen besser gelingt sich zu integrieren und kommt dann fast zwangsläufig zur Verschwörungstheorie, dass der Westen Moslems an der Integration hindert und sie diskriminiert.

Gesetzt den Fall, diese Theorie sei zutreffend, wie kommt es dann, dass selbst in den 57 islamisch geprägten Nationen mit ihren über eine Milliarde Einwohnern ähnliche Probleme auftreten? Wirtschaftlich, kulturell und wissenschaftlich ist keines dieser Länder auf westlichem Niveau. Das Bildungsniveau ist allgemein niedrig, jedes dieser Länder hat demokratische Defizite (wenn es überhaupt eine Demokratie gibt), Frauen werden mehr oder weniger offen diskriminiert, die meisten Länder sind von inneren Spannungen geprägt und Armut ist oft ein großes Problem. Selbst die Türkei spielt trotz jahrelangem Aufschwung beim BIP/Kopf nur in einer Liga mit Rumänien und Bulgarien, den ärmsten Ländern der EU.

Unsere Integrationspolitik, sofern sie denn notwendig sein sollte, ist zumindest nicht das Problem!

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