Zweierlei Maß

Posted on 14. September 2012

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Es ist wieder soweit. Die muslimische Welt ist in Aufruhr. Scheinbar haben findige muslimische Nerds das Web durchkämmt und ein Video gefunden, dessen Existenz den Menschen ansonsten wahrscheinlich verborgen geblieben wäre. Imame, die wohl selten am Computer sitzen, da es in ihren Regionen oft keine gibt, rufen nun zum Sturm auf westliche, vornehmlich amerikanische, Botschaften auf. Dabei sind bisher 6 Menschen gestorben. Umgebracht von einem Mob, der schon die kleinste Provokation zum Anlass nimmt, seine Wut gewaltsam zu entladen.

Genauso reflexartig, wie der Mob sich mit Fackeln auf den Weg zu westlichen Botschaften macht, erscheinen hierzulande Artikel, die Verständnis für solche Reaktionen aufbringen. Schließlich sei die Veröffentlichung des Videos eine grobe Provokation, die Moslems seien eine stolze Gruppe die lediglich etwas zu heftig reagiert, die Menschen in den jeweiligen Ländern oft ungebildet und arm. Außerdem seien sie nur instrumentalisiert von radikalen Imamen. Hinzu kommen die grausame Kolonialzeit und die unbarmherzigen kapitalistischen Interessen des Westen, der dort immer nur seinen Vorteil (in Form von Öl) sucht und ihm zugeneigte Regime unterstützt, den Willen des Volkes aber missachtet. Es kann also keine andere Reaktion geben. Was haben wir erwartet?

Plötzlich finden sich für abscheuliche Morde und Gewalttaten ganz simple Rechtfertigungsgründe. Geringe Bildung und Armut, dazu unser rüpelhaftes und unsensibles Verhalten. Außerdem seien solche Erscheinungen ja nur ein Randphänomen, man könne kaum eine ganze Region, gar Religion dafür verantwortlich machen. Ganz anders scheint es aber umgekehrt zu sein. Denn schließlich hat der ganze Westen Schuld, wenn ein Irrer aus Kalifornien ein Video dreht.

Wie kann es aber sein, dass solche Ausbrüche in regelmäßigen Abständen, in ganz verschiedenen Ländern entstehen? Wieso gehören diese Menschen aber immer wieder nur einer Religion an? Und wieso werden die Aufständischen nicht von Sicherheitskräften in Schach gehalten, die sonst jede kleinste Form von Opposition unterdrücken?

Und wieso sollten diese Menschen, trotz ihrer geringen Bildung und Armut nicht in der Lage sein, zu erkennen, dass ein Mord nicht gerechtfertigt sein kann? Wo sonst kämen wir auf die Idee, jemanden von seiner Schuld frei zu sprechen, nur weil er keine weiterführende Schule besucht hat? Hier handeln keine schuldlos Irrenden oder Geisteskranken, hier handelt eine Gruppe, die lediglich vom Satz des Pythagoras noch nichts gehört hat, aufgestachelt durch Menschen, die sich zumindest vordergründig mit dem Studium des heiligen Buches beschäftigen, also durchaus als Gelehrte durchgehen.

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