Im Kopf eines angelsächsischen Ökonomen

Posted on 12. Juni 2012

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Ich bin Ökonom. Einer von zehntausenden in meinem Land. Immerhin im Land der besten Ökonomen. Wir haben die meisten Nobelpreisträger. Mein Wort wird publiziert, hat also Gewicht. Ich bin Ökonom von Weltrang. Wieso bin ich dann nicht reich? Ich brauche einen Sponsor. Wie finde ich den? Ich muss meine Meinung anpassen, am besten richte ich sie nach dem, der am meisten zahlt. Irgendeine Investmentbank wird sich schon finden. Ah, Morgan Stanley hat mir geschrieben. Sie wollen wissen, wie man die Eurokrise lösen könnte. Ob ich ein kleines Thesenpapier erstellen kann. Natürlich kann ich. Ich darf meinen neuen Auftraggeber nicht vergrätzen. Wer handelt gerade nicht im Sinne von Morgan Stanley? Angela Merkel! Sie will keine weiteren Schulden machen, die Finanzmärkte regulieren und Griechenland nicht auf Gedeih und Verderb retten. Wenn das passiert, könnte Morgan Stanley Geld verlieren. Also schreibe ich was dazu. Von Deutschland werde ich eh kein Geld bekommen. Das amerikanische Modell funktioniert sowieso besser.

– wir brauchen Eurobonds (zahlen ja nicht wir)

– wir brauchen die EZB als Lender-of-last-Resort (zahlen ja nicht wir)

– die Rettungsschirme müssen vergrößert werden (zahlen ja nicht wir)

– Deutschland muss Griechenland um jeden Preis stützen (zahlen ja nicht wir)

– alles ist günstiger als ein Exit der Griechen

– ich kenne die Zukunft

– wir brauchen Konjunkturpakete

– Deutschland sollte diese Zahlen

– Die funktionieren schon, oder?

– ach, kein Zweifel

– Keiner kann eine Lösung für die Eurokrise haben, weil es zu komplex und unvorhersehbar ist? Nicht für mich!

– ich habe das Buch des Kerls gelesen, der damals die Krise vorausgesehen hat

– Inflation ist das geringste Übel

– was ist Traget II?

– Europa steht vor dem aus

– Deutschland muss die Schatulle öffnen

– Spanien könnte fallen

– Deutschland muss zahlen

– auch Italien ist angeschlagen

– Zahl endlich, Deutschland!

– ihr wachst nur zu Lasten eurer Nachbarn

– der Euro war ein Segen für euch

– Hab ich vor Jahren noch das Gegenteil behauptet? Ach was.

– Ich hab gesagt der Euro wird eh scheitern und jetzt rede ich die Eurorettung herbei? Kann nicht sein!

– die Wall Street hat wieder einen vernünftigen, zukunftsweisenden Weg eingeschlagen

– ein Trennbankensystem… darüber diskutiere ich nicht mal. LÄCHERLICH!

– das Schuldenproblem der USA ist mit der Situation in Europa nicht zu vergleichen und stellt kein Problem dar

– unser Wachstum ist nachhaltig und gut für den Rest der Welt

– Obama ergreift die richtigen Maßnahmen

– sein Beraterteam ist unabhängig und überparteilich

– wenn, dann kommen die Probleme aus Europa

– U S A

– U S A

– U S A

Man ist zufrieden bei MS. Da ist ja der Scheck. Endlich kann ich die Restaurants besuchen, von denen mir die ganzen Banker immer erzählen. Es ist aber besser, wenn ich weiterhin wie ein bescheidener Professor herumlaufe, das kommt gut an bei den Menschen.

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Posted in: Zeitgeschehen