Der unausstehliche griechische Patient

Posted on 12. Juni 2012

0


Der griechische Patient ist krank. Das wissen wir mindestens seit Edmond About uns im Jahre 1858 davon berichtete. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Obwohl diese Krankheit offensichtlich vom schlechten Lebenswandel herrührt, sucht man die Schuld bei anderen. Und meint sie auch dort zu finden. Denn die fettigen und günstigen Speisen vom ausländischen Wirt halten den Patienten in einem Zustand, der nur im verderben enden kann. Die Leber ächzt, die Knochen knarzen, aber es geht doch noch und schmeckt so gut. Natürlich wäre eine Umstellung auf schonendere Kost angeraten, aber unzumutbar. Denn diese schmeckt nicht halb so gut und der wärmende Wohlstandsbauch müsste einem hageren Gerippe weichen. Wie sollte einem der Wirt auch den Speiseplan diktieren, wenn doch der Stammgast den größten Umsatz bringt? Man droht dem Gasthaus mit dem endgültigen Fernbleiben, dem vermeintlichen Ruin.

So wird die fütternde Hand vom Patienten unweigerlich zum Henker gemacht, der nicht so recht weiss, wie ihm geschieht. Handelt er im vermeintlich besten Sinne des Patienten, so wird er von diesem hart angegangen, macht er weiter wie bisher, ebenso. Der Patient suhlt sich in Unschuld und weist jede Verantwortung von sich. Er muss doch essen, sonst stirbt er nach wenigen Tagen. Das kann der Wirt doch nicht ernsthaft wollen. Sein Körper schmerzt und er braucht Hilfe. Die Behandlung soll der Wirt zahlen, er hätte doch wissen müssen, wohin sein fettiges Essen führt. Seine Warnungen waren doch hohl, eigentlich wollte er nur seine Speisen verkaufen. Niemand kann Zweifel daran haben, dass der Wirt Schuld hat.

Die Behandlung schmerzt ebenfalls. Der Arzt ist zu drastischen Maßnahmen gezwungen, die die schönen vergangenen Tage fast vergessen machen. Der Patient wird dünner und ist nicht ganz bei Kräften, aber die Leberwerte verschlechtern sich immerhin kaum noch. Bevor es besser wird, wird es schlechter, sagte ihm der Arzt. Davon spürt der Patient aber nichts. Seine Hosen schlackern und er fühlt sich unwohl. Ihm gelüstet es nach althergebrachten Genüssen. Bevor die Vergessenheit ganz einsetzt, widersetzt er sich der weiteren Behandlung. Er schimpft auf den Arzt. Dieser Scharlatan hätte es doch nur auf sein Honorar abgesehen und spiele dem Wirt in die Hände. Ihm ginge es nicht um das Befinden des Patienten, er wolle ihn doch nur zu Grunde richten. Dabei sei er kerngesund. Jeder wisse es; als der Wirt noch im Sandkasten spielte und versuchte Worte zu formulieren, da stolzierte der Patient schon vor Kraft strotzend durch die Straßen und hielt eindrucksvolle Reden. Der Patient muss sich von niemandem etwas sagen lassen.

Also setzt man sich wieder in das Wirtshaus und bestellt das Übliche. Diesmal eine große Portion, man wolle schließlich wieder zu Kräften kommen. Auf Kosten des Hauses versteht sich. Der Patient hat es sich verdient, musste er doch solche Qualen über sich ergehen lassen, weil er beim Wirt gegessen hatte.

Advertisements
Posted in: Ausland, Politik