Joschka Fischer, ein ökonomisches Genie

Posted on 4. Juni 2012

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Gerade hat die Süddeutsche einen Gastbeitrag von Joschka Fischer veröffentlicht, in dem er die merkel’sche Sparpolitik als Wurzel der aktuellen europäischen Probleme brandmarkt. Die deutsche Haltung zum Sparen habe Europas Brand beschleunigt und die Krise zu einer Depression anwachsen lassen. In seiner Analyse der Folgen mag er richtig liegen, die Ursachen sind aber ganz andere. Was wenig verwunderlich ist, hat sein wirtschaftlicher Sachverstand doch dazu geführt, dass selbst unsere hochsubventionierte Solarwirtschaft vom anfangs gefeierten Star zum Problemfall geworden ist, der weltweit kaum konkurrenzfähig ist.

Jetzt redet er wie ein amerikanischer Ökonom. Schuldenfinanzierte Konjunkturprogramme (von ihm fälschlicherweise „Wachstumsprogramme“ getauft), uneingeschränkter Ankauf von Staatsanleihen durch die EZB, Euro-Bonds, alles finanziert von Deutschland. Ein schöner Gedanke, leider fehlt der stichhaltige Beweis, dass dies zum Erfolg führen würde. Sicher ist nur, dass Deutschland finanziell heillos überlastet wäre. Er ist sich auch nicht zu schade, die ewige Schuldkarte zu spielen. Denn immerhin hat Deutschland zwei Weltkriege gestartet und der deutsche Exportboom gründet für ihn ausschließlich auf internationalen Wachstumsprogrammen. Somit sei es Deutschland der Welt schuldig, sich ebenfalls ins Verderben zu stürzen und unentwegt durch Schulden weiter Geld in den Kreislauf zu pumpen.

Wo haben denn die ganzen keynesianischen Ratschläge hingeführt? Obama hat mehrere Konjunkturprogramme in Billionen Höhe aufgelegt, trotzdem bleibt die Arbeitslosigkeit hoch und das Wachstum vergleichsweise schwach. Die Staatsverschuldung steigt deutlich stärker als die Wirtschaftsleistung und liegt bereits bei über 100% des BIP und wächst weiter rasant. Auch in China stottert der Motor und Japan ist ein abschreckendes Beispiel für Wachstum (eher Stagnation) auf Pump. Politiker, die nur auf 4-5 Jahre gewählt wurden, werden nie in Boom-Zeiten genug ansparen um das jetzt in bester Absicht angehäufte Defizit wieder abzutragen. So viel hat die Vergangenheit gezeigt.

Deutschlands derzeitiger Weg ist wesentlich zielführender und nachhaltiger. Von diesem sollte es sich auch nicht durch die Probleme in Europa abbringen lassen. Unsere Wirtschaftskraft steht nicht in Stein gemeißelt und ein schwaches Deutschland ist auch für den Rest Europas nicht hilfreich. So schwierig die Situation in einigen Ländern auch sein sollte, fremdes Geld führt selten zu nachhaltigem Erfolg. Diese Länder müssen durch eigene Anstrengung, unter Hilfe der Europäischen Union, einen Weg aus der Krise finden. Nur so kann Europa wieder auf die Beine kommen. Nicht durch unabsehbar teuren Aktionismus, der die wirtschaftlich starken Länder auf Dauer nach unten zieht. 

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Posted in: Pressespiegel