Die selbstgerechten Talk Show Griechen

Posted on 25. Mai 2012

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Michalis Pantelouris wird in letzter Zeit gerne zu Talk Shows geladen. Als deutscher Grieche oder griechischer Deutscher mit beiden Pässen scheint er auch der perfekte Gesprächspartner zu sein. Nach seinem Auftritt bei Anne Will am Mittwoch, zum Thema „Spar-Angie gegen Spendier-Francois – das letzte Euro-Gefecht?“, sollten sich die Redaktionen jedoch einen anderen suchen.

Mit kaum auszuhaltender Selbstgerechtigkeit schien er der Ansicht zu sein, die Wahrheit als einziger gepachtet zu haben. Niemand würde die Sparbemühungen der Griechen honorieren. Einerseits forderte man sie dazu auf, die bisherigen Politiker vom Hof zu jagen, andererseits ist niemand mit der aktuellen Wahl zufrieden. Also ob es kein Mittelding zwischen korrupten Parteien der alten Seilschaften und einem Haufen Extremisten verschiedenster Strömungen gäbe. Als eine Umfrage unter Badegästen am berliner Wannsee mehrheitlich eine Ablehnung weiterer Griechenhilfen zeigte, sprach er den Befragten ihr Urteilsvermögen ab. Sie sähen die Sache falsch.

Jegliche Kritik an Griechenland wies er jedoch zurück. Korrupt seien höchstens die Regierungen, aber nicht der einfache Grieche. Dabei verwies er immer wieder auf Härtefälle. Mit solchen Totschlagargumenten konnte er immerhin Hans Christoph Buch für sich gewinnen, der die griechische Verschwendungssucht sympathisch findet. Einzig Dirk Müller mochte Gegenwind liefern, als er festhielt, dass auch die Politiker der bisherigen Regierungen Griechen waren.

Eines ist jedoch klar, wir sind an einem Punkt angelangt, an dem Griechenland politisch korrekt nur noch als Opfer angesehen werden darf. Die Probleme seien erst durch Merkels spätes Handeln, den Druck der Finanzmärkte, schlechtes Management der Troika oder eben vereinzelte korrupte Politiker entstanden. Griechenland selbst trifft aber die geringste Schuld. Als guter Europäer darf man keine andere Haltung einnehmen.

Muss man denn wirklich daran erinnern, dass sich die Griechen durch jahrelange Falschmeldung ihrer Haushaltszahlen in der Euro geschummelt haben? Nicht wir haben ihnen diese Währung aufgezwungen, die in keinster Weise ihrer Wettbewerbsfähigkeit entspricht. Die Griechen wollten sie selbst. So sehr, dass sie dafür Zahlen fälschten.

Darüber hinaus ist jedem Historiker bewusst, dass Griechenland ein ewiger Pleitekandidat war und offenbar ist. Kenneth Rogoff dazu: „Von 1800 bis weit nach dem Zweiten Weltkrieg befand sich Griechenland beinahe in ständigem Zahlungsverzug“.

Die Badegäste scheinen die Sache also klarer zu sehen als Michalis Pantelouris. Jede Hilfe für Griechenland zögert den Untergang nur heraus und kommt einer Insolvenverschleppung gleich. Frustration von ausländischer Seite ist also absolut gerechtfertigt. Die Lösung aller hausgemachten (!!!) Probleme liegt nur bei den Griechen selbst.

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