Henryk M. Broder und die Springer-Bande – nun doch politisch Korrekt?

Posted on 8. April 2012

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Wer austeilt, muss auch einstecken können. So heisst es landläufig. Ein Broder kann sicherlich beides. Besonders im Austeilen ist er grandios. Mit Wortwitz und scharfem Verstand wacht er über Deutschland wie ein Wasserspeier über den Vorgarten eines alten Postgebäudes. Kaum eine vermeintlich politisch überkorrekte oder antisemitische Geste bzw. Wortmeldung entgeht ihm, hat er sie journalistisch aufbereitet, beglückt er uns mit dem Ergebnis in der Welt oder seinem Blog.

Eine streitbare Person, dieser HMB. Wenn irgendwo unrecht geschieht, wirft er sich dazwischen und kämpft für das Gute. Gegen den bösen Deutschen, der immernoch überall lauert, gegen die Verschleierung muslimischer Unzulänglichkeiten und gegen Antikapitalisten, Antiamerikaner, Antisemiten und Israelhasser. Aber genug der Beschreibung, wir alle kennen und viele schätzen ihn (ich zum Beispiel).

Aber warum nur echauffiert er sich dann so sehr über Grass‘ Gedicht? Zwei Artikel in der Welt und drei auf achso.com hat er zur „Grass Debatte“ veröffentlicht und dabei auch den einzig prominenten Fürsprecher Grass‘ angegriffen, Jakob Augstein. Nun liegen ihm (vermeintlich) antisemitische Ausfälle ja immer besonders am Herzen, das mag sein Interesse erklären. Verglichen aber mit seinen Aussagen zum Islam und zu Muslimen in Deutschland ist Grass‘ Gedicht ein Hort politischer Korrektheit, wie wir ihn sonst nur im Musikantestadl zu sehen bekommen. Zumindest lässt sich nichts finden, was eine solch breit angelegte Kampagne nahezu aller deutschen Medienhäuser rechtfertigt, die vor allem auf die Zerstörung der Person Grass zielt und in keinster Weise an einer sachlichen Auseinandersetzung interessiert ist.

Zugegeben, sein Gedicht war einseitig, aber nur mit viel Mühe und unter Heranziehung seiner Zeit in der Waffen SS lässt sich Antisemitismus hineininterpretieren. Losgelöst von der Person Grass bietet es wenig Explosives. Ansonsten hat Grass nur schonungslos unwiderlegliche Fakten und seine Meinung kundgetan, der man sicherlich widersprechen kann. Also ungefähr das, was Broder gerne mit falsch verstandener politischer Korrektheit und dem Islam macht. Unbequeme Wahrheiten ansprechen und den Finger in die Wunde legen. Das ganze mit einer Prise Polemik garniert, wird es dann dem geneigten Leser oder Zuschauer als die Wahrheit, und nichts als die Wahrheit, vorgesetzt. Grass nutzte eher Pathos, aber jeder so wie er es mag, nicht wahr?

In „Hurra, wir kapitulieren!“ wurde noch „die Haltung der Regierungen Europas gegenüber Islamisten, andererseits die angebliche Zurückhaltung und Selbstzensur der intellektuellen Linken Deutschlands gegenüber dem Islam scharf und auf polemische Weise kritisiert.“ (Quelle: Wikipedia) Heute wird Zurückhaltung und Selbstzensur in Bezug auf Israel gefordert, da stimmt doch etwas nicht. In manchen Kreisen nennt man soetwas Doppelmoral, in anderen einfach nur verlogen.

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