Germanophobie – Salonfähig in Europa?

Posted on 14. Februar 2012

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Deutsche Politiker oder Fussballer enthauptet oder als Nazis darzustellen ist ein bekanntes Phänomen in englischen Boulevardzeitungen. Daran hat man sich gewöhnt und man spielt es als liebenswürdige Eigenart des hochgelobten britischen Humors herunter. Was man in letzter Zeit aber in immer mehr europäischen Ländern hören und lesen muss, scheint über das gewohnt geschmacklose Niveau der englischen Presse hinaus zu gehen.

Nicht nur, dass man solcherlei Darstellungen nun auch in seriöseren Zeitungen liest, mittlerweile hat sich das Phänomen auch auf Spanien, Italien und vor allem Griechenland ausgeweitet. Gerade hier nimmt es zur Zeit erschreckende Züge an. In verschiedensten Zeitungen und Fernsehsendern wird über die Herrschsucht der Deutschen schwadroniert, ihnen der unabdingbare Wille zur Errichtung eines 4. Reichs unterstellt und teilweise sogar die Freude an Armut und Verelendung der Mittelmeerländer. Gerade hier scheint der offen dargestellte Hass gegen alles Deutsche in der Mitte der Gesellschaft angekommen zu sein.

Mitten in Athen verbrennen Demonstranten unter dem Beifall der Schaulustigen die deutsche Flagge. Schriftzüge von Banken werden abgeändert, um ihre scheinbaren wahren Strippenzieher aufzudecken, die Deutschen. Auf Plakaten und Transparenten wird Angela in Nazi-Uniform dargestellt und die dominante, menschenverachtende Art der Deutschen angeprangert. Es scheint kein halten mehr zu geben.

Bedrohlicher erscheint jedoch der schleichende Einzug der Germanophobie in den Köpfe der europäischen Eliten. PM Monti droht Merkel offen mit italienischen Aufständen gegen Deutschland, wenn die Rettungsschirme nicht schleunigst vergrößert werden. Die Direktorin des IWF Legarde lässt keine Gelegenheit aus, den Deutschen die Schuld für die aktuelle Krise in die Schuhe zu schieben, ins selbe Horn bläst auch der britische Premier Cameron. Offener geben sich die Politiker der zweiten Reihe, die einen Sparkommissar ganz schnell zum Gauleiter ernennen. Der Schuldige jedenfalls scheint gefunden, wir brauchen nicht weiter suchen. Ohne Deutschland gäbe es diese Krise nicht.

Angesichts der bisher ausstehenden Lösung, denn keiner hat zur Zeit eine Antwort auf die Fragen, mit denen wir uns beschäftigen müssen, scheint die Kritik zumindest übertrieben. Nicht nur, dass Deutschland den größten Anteil an der Rettung schultert, über das Target II System stehen für Deutschland nicht nur die bisher zugesagten 211 Mrd.€ auf dem Spiel, sondern weitere annähernd 400 Mrd.€. Darüber hinaus ist Deutschland seit Jahrzehnten der größte Nettozahler der EU mit ca. 8 Mrd.€ jährlich; der zweite Frankreich zahlt keine 4 Mrd.€. Woher kommt also dieser Hass, der Deutschland zur Zeit entgegenschlägt?

Es scheint so, als würden die Politiker Europas die noch in den Köpfen mancher bestehenden Ressentiments bedienen, um von der Situation und den Verfehlungen im eigenen Land abzulenken. England steht am Scheideweg, die Fixierung auf die Finanzindustrie und die private Verschuldung könnten bald zu einem ernsthaften Problem werden. Italien leidet unter Jahrzehntelanger politischer Lethargie und Korruption. In Griechenland will man sich nicht eingestehen, dass der seit dem EU Beitritt bestehende Lebensstandard nicht den wirtschaftlichen Realitäten entspricht und in Frankreich versucht man sich den politischen und wirtschaftlichen Bedeutungsverlust schönzureden.

Insofern ist es am einfachsten Deutschland die Schuld zuzuschieben. Förderlich ist sicherlich auch die deutsche Neigung solcherlei Kritik/Schmähungen wortlos hinzunehmen und die Argumente der Gegenseite sogar aufzugreifen. Haben wir nicht zu viel exportiert in den letzten Jahren? Vielleicht haben wir ja wirklich am meisten vom Euro profitiert und auf Kosten anderer gelebt.

Es scheint also nur eine Lösung zu geben: Deutschland muss alle Rettungspakete in Europa restlos tragen. Zahlungen werden nur zu Bedingungen geleistet, die den Schuldnern genehm sind, dann aber auch umgehend. Ausserdem wäre eine förmliche Entschuldigung an die Völker Europas angebracht, dass man nicht schneller gespurt hat. Denn eines ist klar, eigene Interessen darf Deutschland nicht haben!

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