Urheberrecht vs. Masse – Der Fall MegaUpload

Posted on 21. Januar 2012

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Der medienwirksame Untergang des MegaUpload-Imperiums ist der bisherige Höhepunkt im Kampf der Inhaltsanbieter gegen die uneinsichtige Masse der Internetnutzer, die ein neues, selbst verkündetes Recht auf freien Medienkonsum für sich reklamiert. Wie man den unzähligen Kommentaren in Foren zu diesem Fall entnehmen kann, zeigen immer mehr Menschen absolutes Unverständnis für die Forderungen der Inhaltsanbieter, für ihr Eigentum bezahlt zu werden. Es sei ja kein Diebstahl und ein realer Schaden entstünde auch niemandem. Außerdem sind die Inhaltsanbieter selbst schuld, wenn sie keine angemessen Angebote zu äußerst günstigen Preisen entwickeln.

Genau hier liegen sie aber falsch. Es mag sich juristisch um keinen Diebstahl handeln, etwaige Kampagnen der Inhaltsanbieter sind daher auch eher kontraproduktiv, dennoch handelt es sich ganz klar um eine rechtswidrige Handlung, die einem Diebstahl im Grunde gleichzusetzen ist. In beiden Fällen wird gegen den Willen des Eigentümers über seine Sachen/Rechte verfügt. In einer Gesellschaft die zunehmend auf geistiges Eigentum setzt, kann ein solches Verhalten nicht toleriert werden. Kein Architekt, Anwalt, Wissenschaftler, Schriftsteller oder Künstler würde seine Ideen und Werke anderen grundsätzlich kostenlos zur Verfügung stellen. Genau so wenig lassen sich diese Berufsgruppen die Preise von ihren Kunden diktieren. Nur weil mir eine Leistung den geforderten Preis nicht wert ist, darf ich nicht eigenmächtig darüber verfügen. Niemand würde auf die Idee kommen im Supermarkt zu stehlen und sich danach als Unschuldlamm darzustellen, da die „Nahrungsmittelmafia“ konzentriert gegen den Konsumenten arbeitet und sie sowieso reich genug sei.

Im Gegensatz zur Situation in den späten 90er Jahren kann man auch nicht darauf verweisen, dass die Inhaltsanbieter keine geeigneten und dem Nutzerverhalten entsprechenden Dienste anbieten. Mittlerweile gibt es unzählige Streamingdienste (z.B.: Netflix, lovefilm..) und viele Möglichkeiten legal zu relativ geringen Preisen zu jeder Zeit an aktuelle Filme und Serien zu kommen (iTunes, Sky, Angebote der Sender…).

Am liebsten ist mir aber immer das Argument, dass die Inhaltsanbieter sowieso schon reich seien, weshalb sie doch keine weitere Bezahlung verdienten. Es stellt sich die Frage, wieso gerade ich das Recht haben sollte, darüber zu entscheiden, wann jemand genug verdient hat. Letztendlich muss doch jedem klar sein, dass die Inhaltsanbieter zu Recht „reich“ sind, wenn sie Inhalte erschaffen, die die Masse sehen will. Wenn 1 Millarde Menschen die nächste Two and a half Men Folge sehen will, dann ist doch klar, dass hier entsprechend verdient wird.

Sollte die Masse wirklich unzufrieden sein mit dem, was die Inhaltsanbieter liefern, dann bleibt nur der Käuferstreik. Die Industrie reagiert meist nicht so schnell wie die Nutzer es sich gerne wünschen, aber sobald alte Strukturen zusammenbrechen, wird auch in den Führungsetagen umgedacht. Schließlich hat selbst Apple sein DRM im iTunes Store abgeschafft.

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