Der Totschläger Verallgemeinerung

Posted on 31. Juli 2011

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„Da muss man differenzieren“, hört man immer wieder wenn über den Islam gesprochen wird. „Wir dürfen nicht alle in einen Topf schmeissen“. „Den Islam gibt es nicht“. „Man muss die Leute erst kennenlernen, bevor man über sie schreibt“. Alles richtig, aber doch so falsch.

Natürlich darf niemand wegen seiner Religionszugehörigkeit persönlich angefeindet werden, aber wenn eine Religionsgruppe gehäuft in einer gewissen Weise auftritt, dann muss man verallgemeinern um eine konstruktive Debatte führen zu können. Es vergeht kein Tag, an dem wir nicht alle verallgemeinern.

Wer ein Restaurant besucht, eins von vielleicht 80 Gerichten auswählt und dieses abscheulich findet, der wird später auch nicht sagen, dass das Restaurant so gut ist wie jedes andere, er hat einfach einen Einzelfall vorgefunden, der aber nicht exemplarisch für die Masse der dort angebotenen Gerichte stehen darf. Wer nach Stuttgart fährt und sich den ganzen Tag langweilt, wird einen negativen Eindruck gewinnen.

Wieso sollte es also plötzlich ein Verallgemeinerungsverbot geben, nur weil man nicht mehr über Städte oder Restaurants, sondern über bestimmte Bevölkerungsgruppen spricht? Im Prinzip ist auch das falsch. Denn kaum einer regt sich auf, wenn man verallgemeinernd über Skinheads, Rocker, Banker, Manager, BMW-Fahrer, Grünen-Wähler, Videospieler, Männer oder Frauen spricht. Ja, ich kann sogar im Fernsehen offen sagen, dass DER Japaner sehr leidensfähig ist, aber aus Angst sein Gesicht zu verlieren, unangenehme Wahrheiten nicht ausspricht. Auch, dass DER Grieche Steuerhinterziehung als Volkssport betrachtet, DER Amerikaner verschwendungssüchtig und kriegslüstern und DER Deutsche humorlos und spießig ist. DEM Ostdeutschen darf ich Fremdenfeindlichkeit nachsagen und DEM Bayern ein anachronistisches Weltbild, einen Aufschrei und eine Verdammung des Äußernden wird es nicht geben. Genauso wenig, wenn ich DER katholischen Kirche vorwerfe pädophile Strömungen in ihren Reihen zuzulassen oder DEN amerikanischen Evangelikalen eine Leugnung wissenschaftlicher Gewissheiten. Gerade diese werden ständig als ernstzunehmende Bedrohung für die Wissenschaftsfreiheit in den USA wahrgenommen, völlig zurecht.

Sobald man aber Moslems oder dem Islam ein negatives Attribut zuordnet, schnappt das Denkverbot zu und wir alle dürfen nur noch davon sprechen, dass alle Menschen gleich sind. Wer anderes sagt, ist ein Rassist und geistiger Brandstifter. Wie soll so eine Debatte über eindeutig belegbare Probleme überhaupt stattfinden?

„Laut Studie haben 30 Prozent der Türken und Türkischstämmigen keinen Schulabschluss und nur 14 Prozent das Abitur. Auch hätten Menschen mit türkischem Migrationshintergrund den geringsten Erfolg aller Migranten im Erwerbsleben: Sie seien häufig erwerbslos, die Hausfrauenquote sei hoch, und viele seien abhängig von Sozialleistungen.“

Wenn man nun dieses Zitat aus der Zeit nimmt, weit vor Sarrazin bereits 2009 erschienen, darf ich dann trotzdem nur zur Schlussfolgerung kommen, dass Türken gastfreundlich sind? Das scheint nämlich die einzige türkische Eigenschaft zu sein, die man erwähnen darf. Leider lässt sie sich nicht statistisch belegen, auch deckt sie sich nicht mit den Erfahrungen, die so mancher auf der Straße macht, um Totschläger 2 entgegenzutreten, der persönliche Bekanntschaften zur Grundvoraussetzung für Urteile macht.

„ Allerdings gestattete man ihr lediglich, ein Auge des Attentäters mit Säure zu verätzen. Die Begründung: „Nach iranischem Recht und laut dem heiligen Buch des Koran ist eine Frau halb so viel wert wie ein Mann. Folglich zählen zwei Augen einer Frau so viel wie ein Auge eines Mannes.“ Sollte sie den Wunsch verspüren, auch das zweite Auge zu zerstören, müsse sie umgerechnet 14.000 Euro dafür berappen, so der Richter damals.“

Wie sieht es mit diesem Auszug aus dem Spiegel aus, der zeigt, welch erhabene Rechtsauffassung die Scharia hervorbringen kann. Verallgemeinere ich, wenn ich die Scharia als menschenverachtend betrachte, da in anderen Bereichen auch milde Urteile möglich sind? Darf ich sie überhaupt mit dem Islam in Verbindung bringen? Immerhin gilt sie in den meisten islamischen Ländern, oft mit Einschränkungen, aber dennoch als anerkannte Rechtsquelle in den dortigen „Rechtsstaaten“.

Was sagt mir folgende Statistik: bisher sind 5 Nobelpreise (Frieden ausgeklammert) in die arabische Welt gegangen. Davon 2 an Muslime und 3 an Christen. Zeugt dies vom rassistischen Nobelpreiskomitee oder von einer arabisch-muslimischen Kultur, in der Bildung keinen allzu hohen Stellenwert hat?

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