Das Attentat von Norwegen

Posted on 25. Juli 2011

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Selten hat mich ein Attentat so sehr schockiert wie das in Norwegen. Bisher wahrscheinlich nur der 11. September. Ein Mann plant über Monate, vielleicht Jahre, akribisch, wie er ein Land möglichst schmerzhaft treffen und möglichst viele Menschen töten kann. Hierfür spart er eisern alle Reserven zusammen, die er aufbringen kann. Während dieses ganzen Prozesses bleibt er nach außen hin scheinbar unauffällig. Seine Freunde und Familie, immerhin hat er oft bei seiner Mutter gelebt, merken nichts.

Vieles muss in einem kaputt sein, um sich eine solche Tat auch nur auszudenken. Noch mehr, wenn man sie tatsächlich ausführt und noch viel mehr, wenn man bei der Ausführung ruhig und handlungsfähig bleibt, wahrscheinlich alles, wenn man sich danach nicht einmal selbst tötet, sondern sich von der Polizei festnehmen lässt und sich für nicht schuldig erklärt, nein, sogar eine 1500 seitige Rechtfertigung veröffentlicht.

Kann die schiere Angst um die Entwicklung der Gesellschaft tatsächlich der Auslöser für eine solche Tat sein, oder steckt dahinter einfach nur ein tief sitzender Menschenhass? Gibt es überhaupt einfache Antworten? Ist der Mann krank? Mir fällt es schwer auch nur irgendwelche Erklärungsversuche zu verstehen. Wahrscheinlich lässt sich eine solche Tat nicht erklären, zumindest könnte ich es nicht erfassen.

Wieviel Hass muss in einem stecken, wenn man erst zwei Bomben in der Innenstadt zündet, sich dann ins Auto setzt und eine halbe Stunde auf eine kleine Insel fährt und sich dort als Polizist ausgibt, Jugendliche und Campleiter um sich versammelt und dann anfängt auf sie zu schiessen. Über 70 Mal entscheidet er über Leben und tot, vielen wird er in die Augen gesehen haben, dutzende hat er dort tot liegen, um ihr Leben flehen, weinen und wegrennen sehen. Dennoch machte er weiter.

Der Hass in einem solchen Menschen muss um so vieles größer sein als in einem „normalen“ Selbstmordattentäter, der sich einfach auf einen belebten Platz begibt und dort einen Knopf drückt. Er muss nur den „Mut“ aufbringen, auf den Knopf zu drücken, von dem Leid, welches er sät, bekommt er nichts mehr mit. In Norwegen ging es ihm gerade darum. Er wollte sehen, was seine Tat mit dem Land anstellt. WIe die Menschen auf ihn reagieren, wie er Gott spielt und über Leben und Tod entscheidet. Dutzendfach.

Wahrscheinlich hoffte er, dass er diese Gesellschaft, die für ihn ein Albtraum gewesen sein muss, durch seine Tat aus diesem erweckt. Ein Land, das nur „wachgeküsst“ werden muss und er wird der strahlende Held. Nein, ich will gar nicht versuchen ihn zu verstehen. Eine solche Tat ist im wahrsten Sinne des Wortes unfassbar.

Mein Mitgefühl gilt den Hinterbliebenen. Hoffen wir, dass sich eine solche Tat nie mehr wiederholt, bzw. dass sie verhindert werden kann.

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