Mutlu über Sarrazins Kreuzberg Spaziergang

Posted on 21. Juli 2011

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Schon wieder muss man Partei für Sarrazin ergreifen. Nicht weil er ein Opfer der unfreundlichen Kreuzberger geworden ist, sondern weil die Deutung dieses Ereignisses teilweise absurde Züge annimmt. Zum Beispiel die Interpretation Özcan Mutlos. Nicht nur, dass er die Verweigerung eines Dialogs und den Rauswurf aus dem Stadtviertel als „politische Reife“ bezeichnet, nein, auch er verweigert sich der Wahrnehmung der Realität und verklärt die türkische Gemeinde zum Opfer. Denn eigentlich sind sie die treibende Kraft Berlins. Und wenn überhaupt jemand daran Schuld hat, dass Migranten in Berlin weniger gebildet und häufiger kriminell sind als andere, dann liegt das vor allem an Sarrazin, der die Mittel für Jugend, Bildung und Integration in seiner Zeit als Finanzsenator gnadenlos zusammengestrichen hat.

Bei einem hat Mutlu zweifellos recht: „Wer austeilt, der muss auch einstecken können!“ Das muss im gleichen Maße also auch für all diejenigen gelten, die wie Mutlu, vor allen Dingen das Versagen des Staates für Integrationsdefizite verantwortlich machen und nicht müde werden darauf zu verweisen, dass zu erfolgreicher Integration immer zwei Seiten gehören. Womit er meist aber nur meint, dass die eine Seite (die aufnehmende Gesellschaft) möglichst viel Leisten soll (oder zumindest nichts erwarten darf), damit die andere (vorwiegend muslimische Migranten) ihre alten Traditionen und Vorstellungen ohne viel Eigenleistung in Wohlstand im neuen Land fortsetzen können. Erklären sollte er aber, wieso die Zahl der Teilnehmer an Integrationskursen bei Muslimen nur etwa halb so hoch ist wie bei anderen Gruppen.

Um eines noch einmal klarzustellen: Ein Problem mit Muslimen gibt es in Deutschland meines Erachtens nicht. Aber es gibt deutliche Defizite in vielen Bereichen, vor allem auch im Vergleich zu anderen Zuwanderergruppen. Problematisch wird es erst, wenn wie Özcan Mutlu, diese Defizite abgestritten, schöngefärbt oder umgedeutet werden und jeder der anderes sagt, als Rassist bezeichnet wird. Wann gibt es endlich in der muslimischen Gemeinde eine breite Diskussion darüber? Nein, die Mehrheit verschliesst die Augen, verteufelt diejenigen, die es offen ansprechen und lässt sich von einigen Frontleuten die Zahlen umdeuten, bzw. die Schuld auf andere schieben.

Wir leben nicht mehr in den 60er, 70er oder teilweise den 80er Jahren, in denen Ausländer vom Alltagsleben oft weitestgehend ausgeschlossen und mehr oder weniger offen diskriminiert wurden. Heute kann jeder alles erreichen, man muss es nur wollen und sich vor allem verdienen.

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