Das Abendland und die Weltherrschaft

Posted on 21. Juli 2011

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Auf Spiegel Geschichte läuft zur Zeit die populär-wissenschaftliche Sendung „Das Abendland und die Weltherrschaft“ basierend auf dem gleichnamigen Buch des Briten Niall Ferguson. Darin geht er der interessanten Frage nach, weshalb der Westen die Welt seit 500 Jahren dominiert. Als Gründe macht er 6 „Killerapplikationen“ aus; Wettbewerb, Wissenschaft, Eigentum, Fleiß, Medizin und Konsum.

Interessant ist bereits das Intro zur Sendung. Hierin sagt er, wie so viele zur Zeit, das Ende der westlichen und den Beginn der fernöstlichen Dominanz voraus. Den Theorien einer multipolaren Welt scheint er damit nicht folgen zu wollen. Ich würde beiden nicht zustimmen.

Die Angst vor China, denn nichts anderes ist es doch, denn andere aufstrebende asiatische Länder wie Japan und Korea haben der westlichen Dominanz bislang kaum Abbruch getan, scheint mir jedoch unbegründet. Zwar haben wir es ähnlich wie im Kalten Krieg mit einer Großmacht zu tun, die andere moralische Werte und politische Denkweisen vertritt als wir, aber eine wirkliche Bedrohung geht damit nicht einher. Dem chinesischen System fehlt es an Anziehungskraft. Man mag zwar auf etliche Despoten auf diesem Planeten verweisen, die auf Grund der wirtschaftlichen Erfolge eine Adaption in Erwägung ziehen. Die Menschen sehnen sich aber nach einem offeneren und freiheitlichen China, allen Umfragen zum Trotz, wie dieser Bericht beweist.

Keine Weltmacht, so stark sie auch sein mag, kann auf Dauer gegen das eigene Volk regieren. Dies ist gerade dann unmöglich, wenn es auch einen sehr wohlhabenden, freiheitlichen, ähnlich großen Block gibt, der der eigenen Bevölkerung tagtäglich vorlebt, dass es auch anders geht. Zur Zeit mögen sich die Chinesen mit dem wirtschaftlichen Aufschwung zufrieden geben und genießen die neu errungenen Annehmlichkeiten. Mit der Zeit wird aber der Unmut darüber wachsen, dass Japaner, sogar Hongkongchinesen, die nur einige hundert Kilometer entfernt leben, keine Einschränkungen ihrer Meinungsfreiheit hinnehmen müssen. Sie werden nach einem ernstzunehmenden Rechtsstaat verlangen und auch die Landbevölkerung wird ein Stück des Kuchens abhaben wollen.

Im Falle Chinas wird der Zerfall, bzw. die Evolution, des Systems vermutlich länger dauern als damals in der Sowjetunion. Die Partei versteht es bisher noch den Unmut der Bevölkerung mit Wohltaten zu beschwichtigen und die Wirtschaft auf Kurs zu halten. Zudem hat sich China in vielen Bereich bereits relativ weit geöffnet und erlaubt seinen Bürgern gerade so viele Freiheiten, dass man im Ansatz einem freiheitlichen Lebensstil nachgehen kann. Aber aufhalten lässt sich dieser Prozess nicht.

Was ich damit sagen will ist, dass es in Zukunft vielleicht keine Dominanz mehr der USA bzw. Europas geben wird, die im Alleingang über das Schicksal der Welt entscheiden. Es wird aber nicht zu einer Gegenüberstellung zweier System wie im Kalten Krieg kommen, bei dem China langsam die Oberhand gewinnt und anfängt uns seine Vorstellungen aufzudrücken. Vielleicht wird China die dominierende Macht des 21. Jahrhunderts. Wenn es jedoch so kommt, dann wird sie es mit einem System, das dem westlichen sehr ähnlich und von Freiheit geprägt sein wird. Damit wird es dann aber auch keinen Krieg der Systeme geben, sondern China wird im weiteren Sinne Teil der „westlichen Wertegemeinschaft“ und darin zum führenden „Player“. Die Welt wird sich für uns also nur dahingehend verändern, dass wir nicht mehr zu den USA blicken, wenn es um die großen Entscheidungen geht, sondern Richtung China.

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Posted in: Politik, Staat