Deutschland muss für Griechenland zahlen, weil es besonders vom Euro profitiert?

Posted on 22. Mai 2011

0


Immer wieder wird von Politikern, Talkshow-Teilnehmern und Kommentatoren in Deutschland behauptet, dass es fair sei, wenn Deutschland für griechische, irische und portugiesische Schulden aufkommt bzw. bürgt, weil wir schließlich besonders vom Euro profitieren (wobei niemand einen ernsthaften Beweis antritt).

Nehmen wir daher einmal an, der Euro wäre eine Schule. Bisher gingen alle Schüler auf eine eigene Schule, die Kommunikation zwischen den verschiedenen Schulen war kompliziert, jeder folgte seinem eigenen Lehrplan etc. Jetzt wird die europäische Gemeinschaftsschule eingeführt. Das Bildungsangebot wird schlagartig vervielfacht, die Kommunikation zwischen den Schülern erheblich vereinfacht und jeder hat die selben Voraussetzungen, es gibt einen einheitlichen Lehrplan.

Von dieser neuen europäischen Einheitsschule profitiert vor allen Dingen derjenige, der einen großen Wissensdurst hat. Derjenige, der bereit ist für die neuen Bildungsmöglichkeiten auf Freizeit zu verzichten (i.e.: Sozialreformen und -kürzungen, Lohndisziplin, Arbeitsmarktreformen). Nennen wir diesen Schüler nun Michel. Michel wird aufgrund seiner entbehrungsreichen Schulzeit einen guten Abschluss erreichen. Mit diesem Abschluss wird er einen guten Beruf erlangen und gutes Geld verdienen. Michel gilt mit gutem Recht als Profiteur der neuen Möglichkeiten.

Würde man Michel aber nun in Haftung nehmen, wenn es seinen alten Klassenkameraden später einmal schlecht geht? Sollte Michel die von Costas angehäuften Schulden übernehmen, weil er in der Schule nur abgeschrieben hat und keinen guten Job bekam? Die Spekulationsschulden von Ian oder Cristiano begleichen?

Advertisements