RE: Der Westen ist Schuld, dass Armut existiert – Nein!

Posted on 10. Mai 2011

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Hier gefunden:

„Jeden Tag sterben etwa 70,000 Menschen an den folgen von Unterernährung und der westliche Lebensstil ist daran Schuld, das soviel Armut in unserer heutigen Zeit existiert. Das System kennt keine menschlichkeit, es kennt nur Profitmaximierung und Unterdrückung der Bevölkerung.“

Immer wieder liest man solche kruden Vorwürfe. Der Westen und seine Unterdrückungsmaschinerie sind für Armut, Hunger und Gewalt auf der Welt verantwortlich. Die Industrie hält die Menschen Arm um günstige Arbeitskräfte zu haben. Wir geben unsere Nahrungsüberschüsse nicht ab, sondern vernichten sie einfach. Das Ganze ist uns noch nicht genug, durch ausschweifende Agrarsubventionen werden Afrikaner daran gehindert ihre Produkte in die EU oder die USA zu exportieren.

Dazu ein paar Worte des Widerspruchs:

Im Sinne einer wachsenden Wirtschaft und weiterhin sprudelnder Unternehmensgewinne werden neue Konsumenten benötigt, daher kann es nicht das Ziel der westlichen Industrie sein, auf eine stagnierende hiesige Bevölkerung zu setzen. Es ist im vitalen Interesse eines international ausgerichteten Unternehmens, dass die Zahl kaufkräftiger Kunden weltweit stetig steigt. Armut ist daher kein Teil der Profitmaximierung. Beleg hierfür ist auch das stetig steigende Lohnniveau in Schwellenländern.

Es ist zwar richtig, dass die in der EU und den USA bestehenden Agrarsubventionen der Landwirtschaft in Afrika schaden, falsch ist es jedoch, hierin den Grund für Armut und Hunger zu sehen. In den meisten Fällen schaffen es die betroffenen Länder nicht einmal die eigene Bevölkerung ausreichend mit Nahrung zu versorgen. Inwiefern sollten also Exporte möglich sein, geschweige denn das Hungerproblem lösen? Vielmehr schädigen die Agrarsubventionen nordafrikanische Bauern in Ländern, in denen Hunger kein Problem darstellt. Außerdem fußt eine erfolgreiche Wirtschaft auf weit mehr als dem Export von Agrarprodukten.

Über die Vernichtung von Ernteüberschüssen kann man kontrovers diskutieren. Sicher ist aber auch, dass der Export dieser Waren am eigentlichen Problem, nämlich der Korruption und den strukturellen Schwächen in den betroffenen Regionen nichts ändern würde. Diese Länder würden vielmehr in ein weiteres, noch viel tiefer greifendes Abhängigkeitsverhältnis geraten und wären von der erhofften Selbstbestimmung weiter Entfernt denn je.

Der Westen unterstützt Afrika seit Jahrzehnten mit Milliarden Dollar Entwicklungshilfe. Mittlerweile mehr als 50 Mrd. Dollar im Jahr. Hinzu kommen beachtliche private Spenden. Worin sehen Globalisierungs- und Kapitalismuskritiker also den Schädigungswillen, den der Westen angeblich im Umgang mit Afrika hat?

„Als Ghana 1957 unabhängig wurde, war die ehemalige Goldküste nicht nur schuldenfrei, sondern verfügte sogar über Auslandsguthaben. Das Bildungswesen galt als vorbildlich, das Land hatte eine gut erschlossene Infrastruktur, einen relativ unbestechlichen Staatsapparat sowie unabhängige Gerichte. Im Jahr 1957 war das Pro-Kopf-Einkommen so hoch wie in Spanien.“
– Volker Seitz, Afrika wird armregiert

Wo die Reise seitdem hinging, ist wohl jedem bekannt. Die Lösung des Armuts- und Hungerproblems auf der Welt liegt weniger bei uns, als vielmehr in den betroffenen Ländern selbst.

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