Neulich bei Anne Will – Wie der Westen Terroristen erschafft

Posted on 9. Mai 2011

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Gestern bei Anne Will wurde das Thema „Bin Ladens Liquidierung – darf man sich darüber freuen?“ diskutiert. Die Debatte dazu nimmt ja zur Zeit absurde Züge an, aber darauf will ich gar nicht näher eingehen. Unter anderem war auch ein Mann geladen, dessen Schwester am 11. September 2001 beim Terroranschlag so schwer verletzt wurde, dass sie einige Wochen später im Krankenhaus verstarb.

Anne Will befragte ihn auch zu seinen Gefühlen, die die Liquidierung Osamas in ihm auslösten und er holte weit aus. Für ihn sei es ein rumdoktern an Symptomen, aber die wahre Ursache wird nicht bekämpft. Diese sieht er in der ungleichen Verteilung auf der Welt. Solange dieser unerträgliche Zustand fortbestehe, würde der Westen ständig weitere Terroristen erschaffen. Man müsse dafür sorgen, dass jeder Mensch Zugang zu Bildung hat und nicht hungert, dann wäre er für terroristische Ideen gar nicht empfänglich.

Wie um alles in der Welt kommt er zu solchen Ansichten? Jedem, der sich auch nur ein wenig mit dem Thema beschäftigt, und ich bezweifle nicht, dass er dies getan hat, müsste doch aufgefallen sein, dass viele Terroristen Studenten sind oder waren, oft aus guten familiären Verhältnissen kommen und sicherlich keinen Hunger leiden. Osama kommt aus einer der reichsten und privilegiertesten Familien der Erde. Mohammed Atta und seine Jungs studierten im Ausland, einige al-Qaida Mitglieder sind Konvertiten aus reichen westlichen Gesellschaften, kamen also mit der Not auf der Welt nicht mal ansatzweise in Kontakt. Saudi Arabien ist eine der Keimzellen des Terrors und gleichzeitig ein verhältnismäßig wohlhabendes Land, vergleichbar mit Portugal.

Hinzu kommt, dass die arabische Welt über einen enormen Ölreichtum verfügt und den Schlüssel zur Armutsbekämpfung damit in der eigenen Hand hält. In den meisten muslimisch geprägten Ländern mangelt es nicht an finanziellen Mitteln, sondern an qualifizierten Politikern, die die vorhandenen Mittel zum Wohle des Volkes verwenden. Der Westen hält den gesellschaftlichen Fortschritt in muslimischen Gesellschaften nicht auf.

Seine Argumentation beruht vielmehr auf dem Jahrzehnte alten Schuldgefühl der Europäer. Ausgehend von den Gräueltaten der Kolonialzeit, macht man sich bis heute selbst für die Missstände im Rest der Welt verantwortlich. Der eigene Wohlstand wird für sie zum allgegenwärtigen Zeugen der Verbrechen der Vergangenheit. Man bildet sich ein, unser Wohlstand wäre nur auf dem Rücken anderer gewachsen. Europa, und die USA als verlängerter, mittlerweile stärkerer Arm, sind die Wurzel allen Ungleichgewichts und aller Übel auf diesem Planeten. Afrika und die muslimische Welt werden arm und dumm gehalten.

Ungeachtet dessen, dass man mit solcher Argumentation der Bevölkerung anderer Regionen die Fähigkeit zur Selbstbestimmung abspricht, verkennt sie doch die Entwicklung, die die Welt in den letzten Jahren genommen hat. Der Westen hatte sicherlich einen schädlichen Einfluss auf viele Weltregionen in der Vergangenheit und teilweise auch heute noch. Das kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass viele Länder sich aus der Abhängigkeit weitestgehend befreit haben und auf dem Weg zu gleichberechtigten Wohlstandsgesellschaften sind. China, Indien, Brasilien, Korea (längst angekommen) und viele andere asiatische und südamerikanische Länder machen es vor, dass Wohlstand und Bildung nicht dem Westen vorbehalten sind und dass dieser sie nicht daran hindert reich und gebildet zu werden.

Terrorismus ist also kein Produkt des Westens. Nicht wir schaffen Terroristen, sondern rückständige Gesellschaftsstrukturen und hasserfüllte Demagogen. Eine menschenverachtende Gedankenwelt braucht keine Armut oder Hunger als Dünger, es reicht ein Gefühl der Benachteiligung trotz geistiger, religiöser, genetischer oder sonst wie eingebildeter Überlegenheit. Geringe Bildung wirkt förderlich, ist aber keine Voraussetzung.

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Posted in: Medien, Zeitgeschehen