Causa Guttenberg

Posted on 27. Februar 2011

0


Es wurde fast alles geschrieben, was zu diesem Schmierentheater zu sagen ist. Aber auch ich würde mich gerne anschließen und nach einiger Überlegung meine Meinung hierzu kundtun:

Politisch stamme ich sicherlich nicht aus dem Lager der Opposition, meine Einstellung zu KT war vorher eher positiv, auch wenn ich mich nicht zu seinem Sympathisantenkreis gezählt hätte. Auch mir erschien er als frischer Wind, der aufgrund seiner Herkunft eine politische Unabhängigkeit an den Tag legen konnte, wie es anderen Politikern meist unmöglich ist. Seine Auftritte waren souverän und für mich der Beweis meiner Vermutung. So kann man sich täuschen!

Die Argumente seiner Unterstützer habe ich lange abgewogen. Eine Promotion ist für einen Politiker wirklich von kaum zu unterschätzender Bedeutung. Seine politische Arbeit macht er gut und die Verfehlungen liegen nun schon einige Jahre zurück. Aber gerade da wurde ich stutzig.

Es ist kein „einmaliges Fehlverhalten“, wie so mancher behauptet, sondern eine fortwährende Täuschung, die KT begangen hat. Dadurch, dass er sich den Doktortitel hat aushändigen lassen und ihn auf seiner Uniform und im Briefkopf trug, hat er die Wähler und alle Menschen in seinem Umfeld tagtäglich darüber getäuscht, dass er die Doktorwürden tragen darf.

Bei einem solchen Ausmaß an plagiierten Stellen war es ihm bewusst (!!!) was er tat. Jeder, der schon mal eine wissenschaftliche Arbeit angefertigt hat, wird das wissen. Selbst das bloße Textgerüst wird bereits mit der entsprechenden Fußnote versehen, gerade weil man sonst den Überblick verliert. Ein Ausrutscher kann einem durchaus unterkommen, aber nicht hunderte. Das ganze wird besonders auffällig, wenn die entsprechenden Passagen in wenigen Worten abgeändert werden um sich besser in das Gesamtkonstrukt einzufügen.

Hinzu kommen die noch nicht abzusehenden Begleittaten, die KT begangen hat. In anderen Kreisen wird so etwas auch „Beschaffungskriminalität“ genannt. Hierzu zählen ggf. Meineid, Untreue, Amtsmissbrauch, Bestechung, Urkundenfälschung etc.

Allem Anschein nach hat er den wissenschaftlichen Dienst des Bundestages missbraucht. Daneben hat er möglicherweise aber auch seine Stellung in der Rhön Klinik AG dazu missbraucht, der Uni Bayreuth Zuwendung zukommen zu lassen, für die sich diese offenbar mit der Verleihung des Doktortitels erkenntlich gezeigt hat. Anders lässt es sich nicht erklären, wie eine Collage von Zeitungsartikeln die höchste akademische Auszeichnung erhalten konnte.

Zu allem Überfluss hat er sich nicht offen zu seinem Fehlverhalten bekannt, sondern ist der Fehlvorstellung erlegen, er könnte das Wahlvolk und die Opposition weiter darüber täuschen, dass er nicht vorsätzlich handelte. Unehrenhafter geht es nun wahrlich nicht mehr. In seinen Auftritten legt er eine Arroganz und Dreistigkeit an den Tag, wie sie nur einer vorbringen kann, der an extrem gesteigerter Selbstüberschätzung oder Realitätsverlust leidet. Demut würde ihm zur Zeit besser stehen.

Advertisements