Veränderungen der Medienwelt

Posted on 26. Februar 2011

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Eines haben alle alten Medien gemeinsam: Sie erheben im digitalen Zeitalter die selben Ansprüche, die sie vor dem Internet schon stellten. Das ist nicht weiter verwunderlich, dabei wird aber übersehen, dass sich die Spielregeln der analogen Welt nicht in die digitale Welt übertragen lassen. iPad hin oder her.

Von allen Fronten kommen die gleichen Klagen: Musik, Filme, Nachrichten – alles ist nichts mehr wert. Die Medienlandschaft wird zusammenbrechen, wenn sich der Konsument nicht endlich wieder dazu bereit erklärt, sein Portmonee zu öffnen. Keine Filme mehr, keine Musik und schon gar keine Nachrichten. Der Teufel wird an die Wand gemalt und der Konsument fast schon bedroht.

Dem liegt die zweifelhafte Annahme zu Grunde, dass sich der Wert gewisser Produkte im Laufe der Zeit nicht ändern darf. Medien waren vor 30 Jahren deutlich schwieriger erreichbar als sie es heute sind. Man musste in den Plattenladen für seine Musik, ins Kiosk für seine Nachrichten und ins Kino für aktuelle Filme. Das Angebot war, im Vergleich zu heute, sehr eingeschränkt. Ich hatte nur Zugriff auf solche Produkte, die der jeweilige Händler führte.

Heutzutage stellt sich die Lage gänzlich anders dar. Alle drei Medien sind (vervielfacht!) zu jeder Tageszeit, an jedem Ort und in ihrer ganzen Bandbreite verfügbar. Das Angebot ist deutlich stärker gestiegen als die Nachfrage, die durch die Zahl der Konsumenten und ihre Freizeit begrenzt bleibt. Hin zu kommen viele neuartige Angebote – Blogs, YouTube, MySpace, Facebook etc. – die sich mit dem alten Medien um dieses begrenzte Gut streiten. Zwangsläufig fällt somit der Wert der alten Medien. Diese Entwicklung wird sich nicht aufhalten lassen. Man kann die Regeln der Marktwirtschaft nun einmal nicht durchbrechen, nur weil einem das Ergebnis nicht gefällt.

Die Preise werden neu austariert, es bilden sich neue Gleichgewichte. Wer hat festgeschrieben, dass eine CD 18€, eine Blu-Ray 25€ und ein monatliches Zeitungsabo 35€ zu kosten hat?

Vielmehr liegt der Wert eines Künstlers heute ganz einfach bei dem, was er an Werbeeinnahmen bei YouTube, durch Konzerte und iTunes erhält. Was sollte so schlimm daran sein? Große Plattenlabelzentralen lassen sich damit vielleicht nicht mehr finanzieren, aber wer braucht sie noch?

Wieso sollte ich für eine Zeitung am Tag 2,50€ zahlen, wenn sie doch überwiegend nur dpa Mitteilungen aufbereitet, wie es mehr als die Hälfte der Branche macht. Ist es effizient und für eine Demokratie unabdingbar, das tausende Journalisten die dpa Mitteilung in ihre eigenen Worte fassen? Gibt es ein Grundrecht, das überdimensionierte Redaktionen garantiert, die kaum zum Wissensgewinn beitragen?

Das Internet hat die Karten neu gemischt. Die Verwerfungen, die damit einhergehen sind für einige Branchen gigantisch, aber nicht mehr aufzuhalten. Eine wirkliche Bedrohung für die (Informations-)Freiheit, die Demokratie oder sonstige Institutionen sind aber sicherlich nicht zu erwarten – im Gegenteil – auch wenn einige Besitzstandswahrer uns das Glauben machen wollen.

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