Der Papst als Bildungspolitiker des Grauens

Posted on 11. Januar 2011

0


Gerade hat sich der Papst über die spanische Bildungspolitik ausgelassen und kritisiert die dort angebotenen Lebenskunde-Kurse, die sich mit Themen wie Homosexualität, Scheidung und Abtreibung beschäftigen. Er sieht darin einen Angriff auf die Religionsfreiheit, da sie eine Lehre gegen den Glauben und die Vernunft vermitteln.

In welcher Zeit leben wir eigentlich? Keine Regierung hat sich in der Bildungspolitik an religiösen Moralvorstellungen und Weltanschauungen zu orientieren. Sie ist einzig und alleine einer ausgewogenen, objektiven und am aktuellen Stand der Wissenschaft ausgerichteten Vermittlung von Wissen verpflichtet, die im Einklang mit den Moralvorstellungen der Allgemeinheit steht. Dazu gehört im Europa des 21. Jahrhunderts auch die Einsicht, dass Menschen frei darin sind ihren Ehe- und Sexualpartner zu wählen.

Was das religiös erzogene Kind aus diesen Informationen macht, bleibt ihm vorbehalten. Gerne kann es diese Ansichten im Privaten ablehnen, in einer öffentlichen Schule kann es jedoch nicht verlangen, dass ihm die Auseinandersetzung mit der Welt erspart bleibt. Wenn die Eltern ihr Kind dem nicht aussetzen wollen, müssen sie es an einer katholischen Schule einschreiben.

Wie gefährlich die Einmischung religiöser Gruppierungen in die Bildungspolitik sein kann, sieht man in den USA. Dort muss die darwinsche Evolutionslehre bekanntlich ständig vor Angriffen von Kreationisten geschützt werden. Wird die wahrheitsverschleiernde Einmischung so offensichtlich, schütteln Europäer nur verächtlich den Kopf, aber die Worte des Papstes nehmen sie scheinbar hin. Dabei muss jeder religiösen Einmischung bereits im Ansatz ein Riegel vorgeschoben werden.

Durch seine Äußerungen offenbart der Papst auch ein zweifelhaftes Verständnis von Religionsfreiheit. Für ihn scheint sie zu bedeuten, dass der öffentliche Raum frei von Meinungen zu sein hat, die gegen religiöse Ansichten stehen. Dabei soll sie lediglich das Recht des Einzelnen auf Ausübung seines frei gewählten Glaubens schützen. Wohin eine Welt führt, die sich an den Anschauungen einer oder aller Religionen orientiert, kann man sich leicht ausmalen. Es graut mir davor!

Advertisements