Die katholische Kirche und der Missbrauch

Posted on 28. März 2010

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Viel wurde in letzter Zeit zu diesem Thema geschrieben, doch ein Aspekt wird mir zu selten angesprochen. Die Kirche versucht sich ständig mit dem Argument, dass es Missbrauch in allen Bereichen der Gesellschaft gebe, aus der Schusslinie zu ziehen. Man würde sich nur an einen Tisch setzen und diese Fälle aufarbeiten, wenn auch Vertreter anderer Organisationen teilnehmen würden.

Falsch ist die Aussage an sich nicht, aber dennoch keine rühmliche Abwehrstrategie. Nehmen wir einfach mal an, es wäre nicht die ehrwürdige katholische Kirche, sondern ein Privatunternehmen, dass sich so zu verteidigen versucht. Als Beispiel könnte hier die Siemens-Affäre dienen. Mit dem Hinweis, dass auch Bosch und ThyssenKrupp sich solcher Methoden der Vertragsanbahnung bedienen würde in der Presse zu gellendem Gelächter führen. Ähnlich absurd wäre es, wenn ein Anwalt seinen des Mordes verdächtigen Mandanten mit dem Argument zu entlasten versucht, dass jährlich schließlich mehrere hundert Morde begangen würden. Solange nicht jeder Mörder hier vor Gericht steht, wäre das Gerichtsverfahren nur eine Farce und eine Hetzkampagne gegen seinen Mandanten.

Es ist eines der unwürdigsten Argumente um seine eigene Schuld klein zureden. Natürlich gibt es Missbrauchsfälle über all dort, wo Erwachsene auf Kinder stoßen. Ob nun im Sportverein, der Schule, im Chor oder zu Hause. Das ganze führt aber zu keiner geringeren Schuld der Kirche. Hier wiegt die Schuld schon alleine deshalb schwerer, weil man im Namen Gottes agiert und eine moralische Integrität zu vertreten vorgibt, die offensichtlich nicht existiert. Von einem Priester sollte die Allgemeinheit ein höheres Anstandsgefühl erwarten dürfen, als von einem Sportlehrer, da dieser sich selten als moralische Instanz geriert und nicht vorgibt einer höheren Macht zu dienen. Das der Priester auch nur ein Mensch ist, hört man nun des Öfteren. Das war bisher scheinbar nur Atheisten bewusst. Dennoch muss auch hier unterschieden werden, wer im Deckmantel einer Organisation einen Missbrauch begeht und von diesem System gedeckt wird, hat sicherlich mehr Schuld auf sich geladen, als ein eigenverantwortlich handelnder Sportlehrer (von denen nach meinem Wissen auch keiner heimlich an eine andere Schule versetzt wurde, wo er seinem schändlichen Werk ungestört weiter nachgehen konnte). Auch nutzen Priester ihre „heilige“ Autorität gezielt aus und setzen ihre Schutzbefohlenen stärker unter Druck, da sie scheinbar Gott „vertreten“.

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